09
Okt
2009

Walter Altbach – Die Tafel

von Bettina

Vielen meiner Leser ist Walter Altbach ein Begriff. Seine Lebensgeschichte bewegt und beschäftigt mich nun schon seit über zweieinhalb Jahren. Am meisten erschüttert hat mich die Tatsache, dass die Familiengeschichte der Altbachs komplett aus der Chronik der Stadt Eggenburg gelöscht wurde. Die Vertreibung der Juden 1938 wurde dort so akribisch umgesetzt, dass wirklich kein offizielles Dokument mehr die Existenz dieser Familie belegt hat.

Nach meiner Kontaktaufnahme mit Dr. Gaspar, Leiter des Eggenburger Stadtarchivs, setzte sich dieser letztlich sehr dafür ein, dass an dem Geburtshaus von Walter Altbach, der ehemaligen Möbelfabrik seiner Eltern (MöFa), eine Gedenktafel angebracht wird.

Nun ist es soweit. Die Gedenktafel hängt an ihrem Platz. Die Familie Altbach ist Dank einer kleinen Tafel wieder ein Stück weit dorthin zurück gekehrt, wo sie vor Jahrzehnten vertrieben wurden.

Danke an alle, die das ermöglicht haben!

Die Tafel

Die Tafel am Eingang zum ehemaligen Fabriksgebäude.

Die Tafel

(bitte auf das Bild klicken um die Gedenktafel als PDF herunterzuladen)

Auf der Tafel sind u.a. die Eltern von Walter Altbach abgebildet.



09
Sep
2009

Die Bahn & ich

von Bettina

Die Bahn und ich wir verstehen uns nicht. Wir verstanden uns noch nie gut und dennoch können wir nicht voneinander lassen. Eine Hassliebe, die einfach kein Ende findet.

Schon als Schulkind habe ich prinzipiell Züge verpasst, bin in falsche Züge eingestiegen oder bin allein schon am Kauf einer Fahrkarte gescheitert.

Wie so oft – das Leben wiederholt sich.

Gestern trat ich alleine eine große Reise an: von Offingen nach München mit der Bahn. Reguläre Fahrzeit: 1:41 Minuten. Die Nacht zuvor schon konnte ich vor Aufregung kaum schlafen.

Erste Hürde war geschafft, ich hatte nicht verschlafen. Selbst der Ticketkauf funktionierte reibungslos. Ein “Bayern-Ticket” für 28 € stolz in den Händen haltend schlief ich friedlich ein bis eine freundliche Schaffnerin Zugbegleiterin meine Fahrkarte sehen wollte.

Sie, des Bayern Ticket gilt erst ab 09.00 Uhr. Jetzt ist es aber erst 07.55 Uhr!

Schön. Mit einem Wissen mehr und einer Strafe von 40 € trat ich fröhlich die Weiterreise an.

Die Rückfahrt sollte um 13.41 Uhr beginnen. Dazwischen lag ein 2 stündiger Termin und ein kurzes Mittagessen. Perfekte Zeiteinteilung – bald würde ich meinen Kurzurlaub fortsetzen können.

Falsch gedacht. Mit dem ICE darf man nämlich auch nicht fahren, wenn man das Bayern Ticket hat. Nächster Zug 14. 33 Uhr. Dazwischen musste ich einkaufen gehen, um die Zeit totzuschlagen und nicht am Bahnhof zu randalieren. Ein Paar Stiefel später ging die Rückfahrt los.

50 Meter.

Stillstand.

Triebwerksschaden.

Nächster Zug fährt um 14.58 Uhr. Heillos überfüllt. Fenster nicht zu öffnen. Ich saß in der prallen Sonne. Nach 55 Minuten erbarmte sich ein Mitfahrer und bot mir seinen Schattenplatz an, “weil ich schon so furchtbar rot im Gesicht sei…”.

Umsteigen in Augsburg. Nächster Anschlusszug geht erst wieder in 35 Minuten. Den vorigen hatte ich um 2 Minuten verpasst, weil auf den Bahnsteigen nicht herauszufinden ist, wo und wann welche Züge wohin fahren.

Im letzten Zug meiner wunderbaren Reise saßen neben mir junge jugendliche Menschen in bierseliger Laune. Meinem Sitznachbarn war heiß. Fröhlich fächelte er sich mit seinem T-Shirt Frischluft zu und kommentierte jede Bewegung.

Puh. Mir ist heiß. Ich glaub’ ich transpirier…!

Ja mein Bester. Tust du. Und nicht gerade zu wenig. Also hör bitte auf, mir ist schon leicht schlecht…

Der junge Mann war nach der Lektion “keinen Schweißgeruch im Zug verbreiten” zwar etwas verschämt errötet, aber der Gestand reduzierte sich sogleich auf erträgliches Maß allgemein grauslicher Zugluft.

Um 17.30 Uhr war ich dann zu Hause und erfuhr sogleich, dass ich sowieso das falsche Ticket gekauft hätte. Ein Bayern-Single-Ticket hätte gereicht und wäre um 10 € billiger gewesen. Wenn auch ungültig.

Was lerne ich also daraus? Ich bin zu dumm zum Bahnfahren. Da muss man zu viel schauen und denken und eigeninitiativ sein. Weil wenn man es nicht ist, dann kostet es zu viel und dauert zu lange.

Allerdings haben mich die unglücklichen Umstände direkt zu wunderbaren Stiefeln geführt. Kann man die eigentlich der Bahn in Rechnung stellen als “zwecktherapeutische Übersprunghandlung während unplanmäßiger Wartezeit”?



19
Aug
2009

Die Babsi in Oberbozen

von Bettina

Die Babsi in Oberbozen ist wohl so etwas wie eine kulinarische Institution am Ritten, oberhalb von Bozen.

Babsi Oberbozen

Fleißige Wandersleute die wir sind, verbrachten wir vier wunderbare Tage im südtirolerischen “Hochgebirge”, schleiften wiedermal gut gelaunte Kinder den Berg hinauf und hinunter und setzten zum wiederholten Male kulinarischen Highlights á la Eis und köstliche Nachspeisen als Köder ein.

Nach einer solchen erpresserischen Wanderung kehrten wir – die drohende ekelhafte Grausigkeit nicht ahnend – in “Babsis Pizzeria Gasthaus mit schöner Sonnenterrasse in Oberbozen” ein.

Schon nach kürzester Zeit erheiterte uns eine unglaublich verwirrte Kellnerin so sehr, dass wir uns jegliches Rahmenprogramm wie Fingerspiele, Reime erzählen oder Wettrülpsen getrost sparen konnten. Als wir nach über einer halben Stunde endlich auch essensmäßig versorgt wurden, war die Freude groß und jegliche körperliche Anstrengung vergessen.

Bis drei Bissen später das Unfassbare geschah.

Es war bräunlich, rund einen Zentimeter lang und verwirrte mein Auge, da es so gar nicht nach Spinatspätzle aussah. Genauer betrachtet entpuppte sich das braune Etwas als abgerauchter Zigarettenstummel.

Nun bin ich an sich ein sehr robuster und nicht schnell zum Ekel neigender Mensch. Aber das veranlasste mich dann doch zu Würgegeräuschen und einem entsetzten “Igitt! Was ist dass denn
Ekelhaftes!!!”.

Die Kellnerin war schnell herbeizitiert, ihre Ratlosigkeit schier unendlich und mit einem genuschelten “Ich sags dann mal der Chefin” zog sie von dannen.

Diese herbeigerufene Chefin – Babsi – erschien nach einigen Minuten mit den Worten “Es soll hier ein kleines Problem geben?”.

“Nein. Kein kleines Problem. In meinem Essen war ein Zigarettenstummel!”

“Nun. In meiner Küche raucht bestimmt niemand!”

So ging es weiter im Dialog. Unfreundlich, ohne eines Wortes der Entschuldigung, meinte sie, der Stummel könnte ja auch auf dem Weg zum Tisch reingefallen sein oder – quasi anstelle eines Aschenbechers – ja auch aus meiner Hand entwischt sein. Und überhaupt, sie hätte es ja selber gar nicht gesehen.

Ein eilends herbeigeeilter junger Mann – der Sohn, oder Kellner, oder Tellerwäscher – verbat mir dann noch rüde den Tonfall, der mittlerweile eine gewisse Schärfe erreichte, noch lange aber nicht mein verbales und tonales Reptertoire in Höchstleistung darbot.

Mittlerweile eilte uns eine niederländische Familie zu Hilfe, die die fulminante Babsi maßregelte und eine Entschuldigung für uns einforderte.

Der pfauchende Satz “Die Spinatspätzle müssen sie ja eh nicht bezahlen” vertrieb uns endgültig schnellen Schrittes aus diesem gastfreundlichen Lokal.

Wir stolperten in das nächste – wunderbar nette – Café (dessen Namen ist vor lauter Adrenalin leider vergessen habe). Die Kinder bekamen ihr wohlverdientes Eis und Muttern soff genoß schüttete trank einen doppelten Zwetschgenschnaps zum Abtöten sämtlicher Zigarettenstummel-Rest-Dinger in meinem Magen.

Fazit: eine derartige Gastunfreundlichkeit resultiert entweder aus “wir habens nicht nötig”, “in Oberbozen gibts sonst e nix anderes” oder purer, arroganter Dummheit – denn manche Dinge sprechen sich schneller rum, als einem lieb ist.

Zweites Fazit: mit einem Radler und einem doppelten Schnaps intus geht es sich sehr lustig den Berg hinunter :-)



Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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