Es war einmal ein Mann – Adolek Kohn – der wurde in Polen geboren und 1944 nach Auschwitz deportiert. 1945 befreite die Rote Armee das KZ. Auf dem Weg nach Lodz traf Adolek Kohne seine zukünftige Frau Marysia. 1949 emigrierten sie nach Australien. Dort leben sie mittlerweile mit zwei Töchtern, sechs Enkeln und bald drei Urenkeln.
Eine Geschichte, wie sie sich so – oder ähnlich – hundertausendfach auf der Welt wiederholt hat und noch immer wiederholt.
Aber Adolek kehrte zurück. Zurück an den Ort, der ihm seinerzeit das Leben, die Freude, die Hoffnung und die Zukunft fast zur Gänze geraubt hat. Adolek nimmt seine Enkelkinder mit auf die Reise. Und sie tanzen. Sie tanzen vor dem KZ Auschwitz, sie tanzen vor dem Krematorium, sie tanzen vor den Waggons der Deportierten, sie tanzen vor dem KZ Theresienstadt, sie tanzen und tanzen.
Adolek Kohn trotzt dem Grauen. Ein zweites Mal. Er hat überlebt. Nicht nur körperlich. Nein, sein ganzer Geist und Wesen haben überlebt.
Seine Tochter hat dieses berührende und beeindruckende Video erstellt:
Danke, Adolek Kohn und seine Familie, dass wir daran teilhaben dürfen.
Es braucht Nachrichten wie diese, die mich aus der Versenkung auftauchen lassen. Wie ein Beamstrahl hat mich die Meldung heute förmlich an die Oberfläche gezogen und meine verschrumpelten, kleinen grauen Schreibgehirnzellen reaktiviert.
Man beachte den letzten Satz. Der bewirkt in mir einen Blutdruckanstieg ähnlich der Wirkung von 10 Dosen Red Bull. “…Er wird wahrscheinlich die Deutsche Staatsbürgerschaft behalten…”. Das, wohlgemerkt, ist keine Frage des Wollens sondern des Könnens.
Wollen täte ich es auch.
Nur können tu ich es nicht.
Ich wollte die Deutsche Staatsbürgerschaft erwerben, aber nie, nie und nimmer, nie und niemals, nie und gar nicht die Österreichische Staatsbürgerschaft abgeben. Dachte mir, das wird die Ösis aber freuen, dass so ein nettes Mädel wie die Bettina auf immer und ewig Österreicherin bleiben will. Falsch gedacht! Das ist denen wurscht!
Sollte ich für Österreich wichtig werden und etwas erfinden (O-Ton NÖ-Landesregierung) oder es zu sportlichen Erfolgen für das Land Ö bringen, dann solle ich mich nochmal melden. Nun denn – beide Züge sind wohl vor rund 25 Jahren abgefahren. Nix mit berühmt, nix mit gescheit, nix mit sportlich. Also auch nix mit zwei Staatsbürgerschaften.
Übrigens, Herr Waltz, Sie drehen gerade in München, ich wohne gerade in München. Vielleicht könnten Sie mir ein paar staatsbürgerschaftliche Tipps geben…?
Vielen meiner Leser ist Walter Altbach ein Begriff. Seine Lebensgeschichte bewegt und beschäftigt mich nun schon seit über zweieinhalb Jahren. Am meisten erschüttert hat mich die Tatsache, dass die Familiengeschichte der Altbachs komplett aus der Chronik der Stadt Eggenburg gelöscht wurde. Die Vertreibung der Juden 1938 wurde dort so akribisch umgesetzt, dass wirklich kein offizielles Dokument mehr die Existenz dieser Familie belegt hat.
Nach meiner Kontaktaufnahme mit Dr. Gaspar, Leiter des Eggenburger Stadtarchivs, setzte sich dieser letztlich sehr dafür ein, dass an dem Geburtshaus von Walter Altbach, der ehemaligen Möbelfabrik seiner Eltern (MöFa), eine Gedenktafel angebracht wird.
Nun ist es soweit. Die Gedenktafel hängt an ihrem Platz. Die Familie Altbach ist Dank einer kleinen Tafel wieder ein Stück weit dorthin zurück gekehrt, wo sie vor Jahrzehnten vertrieben wurden.
Danke an alle, die das ermöglicht haben!
Die Tafel am Eingang zum ehemaligen Fabriksgebäude.
(bitte auf das Bild klicken um die Gedenktafel als PDF herunterzuladen)
Auf der Tafel sind u.a. die Eltern von Walter Altbach abgebildet.
Bettina S., 36 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 7 und A. 5 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!