Ausgehend von der Diskussion rund um Kinderbetreuung, Elterngeld, Eva-Herman-Frau-zurück-an-den-Herd-Buch, etc.pp., muss ich annehmen, dass es Mütter wie mich einfach nicht gibt. Oder das es egal ist, was mit den Kindern oder den Müttern derer passiert, die nicht gleich nach einem Jahr oder kürzer wieder arbeiten gehen wollen/sollen/müssen. Nehmen wir einfach mal unsere Familienkonstellation:
Vater: ganz klassisch voll berufstätig
Mutter: war mal ganz klassisch und hat beim ersten Kind den Job ruhen lassen, um Kind zu versorgen, verhätscherln, pflegen, erziehen, etc. Bevor Elternzeit von Kind 1 zu Ende war, kam Kind 2 (quasi der deutsch/österreichische Familientraum). Jetzt ist Kind 2 1,5 Jahre alt. Mutter ist seit 3,5 Jahren weg vom beruflichen Fenster – dennoch weder verblödet noch unglücklich in ihrer Mutterrolle (naja, temporäre Ausnahmen gibt es in jedem Job).
Familiensituation: Vater muss beruflich in eine andere Stadt – Familie geht (natürlich) mit. Job von Frau ist in der “alten” Stadt – die würden sie ja wieder nehmen (müssen). In der “neuen” Stadt warten nicht wirklich viele Firmen auf eine Frau mit 2 Kleinkindern, ohne den Nachweis einer verlässlichen Kinderbetreuung außerhalb der offiziellen Einrichtungen (jawohl, sowas wird mitunter verlangt: Au-Pair, Oma & Opa, Tagesmutter…).
Mutter möchte, obwohl sie nicht berufstätig ist, dennoch ein wenig entlastet sein – mitunter auch, um sich wieder auf einen Berufsalltag vorzubereiten. Also braucht sie eine zeitweilige Kinderbetreuung auch für den Kleinen. Das sollte doch im ehemaligen Osten kein Problem sein. Ist es aber. Am Rande von Berlin eine Kleinkindbetreuung, die nicht bei einer Tagesmutter stattfindet – Fehlanzeige! Gründe für oder gegen Tagesmütter gibt es viele – bei mir überwiegen die dagegen!
Bevor Kind 2 3 Jahre alt ist, gibt es keinen Kindergartenplatz (auch nicht wenn ich arbeite – da müsste es zur Tagesmutter). Auch wenn ich nicht auf der Suche nach meiner Karriere bin, so möchte ich trotzdem Unterstützung erfahren. Ein Elterngeld für das erste Jahr beeinflußt doch nicht meine Entscheidung, Kinder in die Welt zu setzen, wenn ich dann die restlichen Jahre im Stich gelassen werde. Abgesehen davon gibt es nur noch wenige Familienmodelle, die die Großfamilie miteinschließen. Was machen mit einem kranken Kind, wenn Oma & Opa 700 KM weit weg wohnen? Noch tragischer finde ich die Tatsache, dass es definitiv Kinderbetreuungsstätten gibt, in denen man sein Kind nicht länger als ein paar läppische Stündchen lassen möchte. Quantität ist nicht gleich Qualität und wenn es einem jetzt nicht gerade egal ist, was mit seinem Kind von 08.00 – 17.00 Uhr passiert, dann wird die Auswahl der möglichen Betreuungsstellen schon sehr, sehr dünn.
Fazit: es gibt mich! Ich habe 9 Jahre gearbeitet – sehr viel und sehr erfolgreich! Und ich bin seit knapp 4 Jahren Vollzeit-Mutter – sehr intensiv und hoffentlich erfolgreich! Ich bin gerne zu Hause und werde in einiger Zeit auch wieder sehr gerne arbeiten gehen. Dass meine Zeit für einen Vorstandsposten abgelaufen ist, ist mir klar – aber das wusste ich auch schon, als der Gedanke an eine Familie erst reifte. Trotzdem oder auch gerade deswegen möchte ich in der Diskussion auch von uns hören. Von den Zwischendrin-Müttern.
Bettina S., 36 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 7 und A. 5 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

Hallo Bettina,
ich sehe das genauso-die ersten Jahre vergehen wie im Fluge. Und wenn man Kinder will macht man das nicht von dem Namen der minimalen Zuwendung ab-ob nun Elterngeld oder wie auch immer es heisst.
Extreme Einschnitte gibt es so oder so!
Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind steht man ganz alleine da und fühlt sich ungebrauchter als ein polnischer Spargelstecher im Winter.
Selbst wenn man das Glück eines Krippenplatzes erringt verfolgt einen der Makel *unflexibel*.
Dabei ist die Aufgabe ein Kind(oder auch mehr) zu erziehen in keinster Weise unlehrreich.
Man entwickelt Fähigkeiten, die andere nichtmal erträumen..z.B. Stressresistenz, Improvisationstalent, Vermittlungsgeschick,, Konsequenz..
Ich frage mich wann die Damen und herren Arbeitgeber mal kapieren, dass sie tagtäglich kompetente Leute nach Hause schicken, nur weil eventuell mal 2 Kranktage mehr anfallen könnten als bei einem Manager der nach ein paar jahren völlig ausgebrannt 2 Jahre zu Kur&Selbstfindungskurs muss.
Sally
Hallo Bettina,
ein wirklich schöner Bericht, der gerade hier in München vielen Eltern aus der Seele sprechen dürfte, denn hier landen aus beruflichen Gründen viele Familien, deren Omas & Opas viele Kilometer (in unserem Fall 600km) weit weg wohnen. Und die “günstigen” Mieten machen es nahezu unmöglich, mit einem Gehalt zurecht zu kommen. Da ändert das tolle Elterngeld auch nichts dran.
Aus der eigenen Not heraus habe ich daher eine Idee verwirklicht: fidikus.de – mal sehen, was draus wird.
Gibt es in Österreich eigentlich ähnliche Probleme? Dann würde ich in Erwägung ziehen, fidikus auch für das Land der Berge zu öffnen.
Ein schönes Blog, was Du hier betreibst. Hab ich gerade in meinem Blogroll aufgenommen.
Viele Grüße aus dem Bayernländle,
Steffen
fidikus
Werte Bettina!
Ich war auch einmal eine “Mich gibt es gar nicht” Mutter. Als mein Jüngster 7 Jahre alt war,wurde ichTagesmutter und bin es bis heute. Dieser Beruf hat mein Leben sehr bereichert.
Weil sie so gegen eine Tagesmutterbetreuung sind, möchte ich sie einladen, meine Homepage auzuschauen:
http;//tagesmutter.wordpress.com
Ein glückliches Jahr 2009 wünscht Ihnen und Ihrer Familie – Elisabeth.
Elisabeth
Gut zu wissen, danke!
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