Archiv für den 15. April 2007

15
Apr
2007

Familienkongress

von Bettina

Manche Dinge muss man wirken lassen, bevor man darüber schreibt.

Also lies ich mir 6 Monate Zeit, um über den JAKO-O Familienkongress in Nürnberg zu berichten.

In meinem früheren Leben besuchte ich öfters Seminare, um mich weiterzubilden. Ich flog zu Konferenzen, ich nahm an Roundtablegesprächen teil und ich verbrachte mehr oder weniger interessante Tage auf Messen. Das alles hatte ein jähes Ende, als P. zur Welt kam. Ist nun mal so! Kind + Konferenz = Schwachsinn.

Als der Prospekt für den Familienkongress ins Haus kam, war mir sofort klar – das ist es. Mutter-sein ist nun mal gerade mein Job, also muss ich mich dahingehend weiterbilden. Gesehen – gebucht – hingeflogen.

Zwar wäre schon der Zustand des ALLEINE-Fliegens diese Unternehmung wert gewesen, aber auch der Kongressbesuch hat sich wirklich gelohnt. 

Die Themenvielfalt war enorm – ich entschied mich für Vorträge zu den Themen richtige Ernährung, Hochbegabung, Triple-P Erziehungsprogramm, Hirnforschung, Rituale für Kinder und Familienorganisation.

Gleichvorweg – am allerbesten war Jan-Uwe Rogge, Familien- und Kommunikationsberater. Jan-Uwe Rogge erzählte mit einer Leichtigkeit von den unsäglichen Nöten und Sorgen von Eltern, dass einem plötzlich aller Ballast vorkam wie eine Feder. Sätze wie “Mein Kind, Rogge sagte heute, du seist normal! Er meinte aber auch, ich sei normal!” waren wie Balsam auf der Seele. Mit einem “Rogge” in der Nachbarschaft wäre bestimmt einiges leichter.

Für ganz Interessierte fasse ich mal (sehr) kurz die Quintessenzen der einzelnen Vorträge zusammen:

  • richtige Ernährung – Vieles schon gewusst, bzw. gelebt. Beruhigen tut mich die Tatsache, dass gekaufte Tomatensauce gesünder ist, als selbst gemachte. Bedeutet das doch, dass meinen Söhnen ein langes, gesundes Leben bevorsteht.
  • Hochbegabung – Hier bewahrheitet sich der Spruch “wer dumm ist, lebt leichter”. Wer nicht das Glück eines aufgeschlossenen, feinfühligen Lehrers hat, der durchlebt mitunter schlimme Zeiten in der Schule. Zu oft werden hochbegabte Kinder in Sonderschulen verbannt, weil sie verhaltensauffällig, faul oder störend sind, anstatt sie zu fördern und vor allem zu fordern!
  • Triple-P – sehr entbehrlich. Erziehen ist Knochenarbeit und ich hatte mir so ein paar Ratschläge erhofft, wie ich mit mehr Ruhe nachhaltigeren Druck in meine Worte bringen kann. Sprich nix da rumbrüllen ohne Ergebnis, sondern dieses kultivierte Reden mit klaren Ansagen ausprobieren. Das war es leider nicht. Es blieben so Ratschläge hängen wie – sperren sie ihre Schlafzimmertür zu, wenn sie nicht wollen, dass der 3jährige jede Nacht in ihr Bett kommt. Aha! Nun denn – ich ruf dann mal im sibirischen Umerziehungslager an, ob sie noch Platz für A. haben!
  • Hirnforschung – war sehr interessant. Ich merkte vor allem wie wenig mein intellektuelles Gehirn in den letzten Jahren gebraucht wurde. Konnte ich der Vortragenden doch nur hochkonzentriert folgen und verstand trotzdem Vieles noch nicht. Quintessenz dieses Vortrags: lasst die Kinder Kinder sein. Lasst sie wachsen und gedeihen und lasst ihnen Zeit, die Welt zu entdecken. Ein 3jähriges Kind muss nicht Englisch können, aber es sollte mit Freude in Lacken hüpfen dürfen, bis alle Sachen pitschnass sind!
  • Warum brauche Kinder Rituale? – eine wunderbare Frau hielt diesen Vortrag. Ihre Worte und ihre Gedanken waren so heimelig und angenehm – ein bisschen so, als ob man Kindheit verspüren würde. Und es stimmt – Kinder brauchen Unmengen an Ritualen. Sie müssen immer wissen woran sie sind. Aufstehen, Anziehen, Essen, Tischgebete, Schlafengehen, Trösten – alles unterliegt strengen Ritualen. Wenn ich diese mal breche bei meinen Söhnen, ist Aufstand angesagt. Wenn ich glaube, dass ich P. mit Überraschungen erfreuen kann, dann habe ich mich schwer getäuscht: er hasst Überraschungen (es sei denn sie sind süß und beinhalten Geschenke)
  • Familienorganisation – wieder ein sehr entbehrlicher Vortrag. Der Haupttipp war: organisieren sie sich. Schreiben sie Zettelchen mit zu erledigenden Dingen. Kaufen sie Schachteln und räumen sie selten verwendete Dinge weg. Na dann – wenn das so einfach ist… Ich glaube die gute Frau hat keine Ahnung, was unter Familienchaos zu verstehen ist!!!

Fazit des Kongresses: großartig! Es hat sich ausgezahlt. Ich habe neue Impulse erhalten, manches hat mich bestätigt, manches habe ich hinterfragt. Und es war für meine jetzige Tätigkeit eine enorme Bereicherung.




Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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