Menschen, die mich nicht kennen, würde ich mich als sehr höflich, freundlich, bisweilen sogar liebevoll bezeichnen.
In meinem tiefsten Inneren bin ich aber gar nicht so nett. Eigentlich bin ich ein böser Mensch. Ich liebe es meine Mitmenschen genauestens zu beobachten, um in ihrem kleinen, perfekten Leben einen klitzekleinen Mißstand zu finden. Ist der erstmal gefunden, dann gibt es für mich kein Halten mehr und ich labe mich – meist verbal – an der Unperfektheit meines Gegenübers.
Meine nicht vorhandene Nettigkeit zeichnet sich auch darin aus, dass ich nette, verständnisvolle Gespräche nicht mag. Nur wenn eine gehörige Portion Zynismus, Sarkasmus und österreichische Morbidität mit im Spiel ist, dann blühe ich auf und gerate geradezu in Euphorie.
Nettigkeit ist also etwas, das ich nur sehr schwer ertragen kann. Vorallem, wenn es eine so grundfröhliche Nettigkeit ist.
Warum also muss gerade ich mir ein Wasserenthärtungssystem aussuchen, deren Filter ich nur in einem speziellen Teeladen bei uns bekomme und deren Besitzer vor lauter Nettigkeit schon ganz glitschig und schmierig wirken.
Sie verwenden so nette Sätze wie
“Ein gutes Teechen hilft die Nerven von der Mutti wieder zu beruhigen, nicht wahr?”
“So, mit o, welchen Tee, mit zwei ee, hätten sie den gerne.”
“Ich persönlich liebe ja gefiltertes Wasser. Fast so, als ob auch meine Seele mitgefiltert wird.”
“Mein Tipp gegen dieses graue Wetter ist ja Freude. Ich freue mich einfach, dass so nette Kundinnen wie sie zu mir kommen.”
Der letzte Satz veranlasste mich, fluchtartig den Laden zu verlassen.
Ich hastete raus, rannte zu meinem Auto und raste nach Hause. Zu Hause angekommen musste ich mich übergeben, schwor mir, nie wieder in meinem Leben nett zu anderen Menschen zu sein und legte mich völlig erschöpft aufs Sofa.
Da bemerkte ich, dass Sohn A. fehlt. Zurückgelassen im Teeladen.
Nunja – vermutlich ist er dort eh besser dran. Lernt er wenigstens Freude, Frohsinn, Sonnenschein und Nettigkeit kennen.
Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

Ich versteh dich total, du.
hungrige Grüße (das Aufzählen aus qype mit den vielen leckeren Sachen war nicht nett von dir)
sybill
sybill
Der arme A, muss unter dem schlechten Karma seiner bösen Mutter leiden ;)
Björn
Nett !!!
Ich hasse dieses Wort !
http://www.deepblue.co.at/wordpress/2006/07/24/nett-mein-ganz-personliches-unwort/
DeepBlue
Und hast ihn schon wieder abgeholt? Ich gebe zu bedenken, nach laengerem Aufenthalt mit diesem netten Menschen wird Dein Sohn demnaechste am Morgen “Mama, ich will Fruehstueck mit Umlaut U” floeten.
gabi