Archiv für September 2007

25
Sep
2007

Friseur

von Bettina

Den Friseur meines Vertrauens verlor ich, als ich vor acht Jahren Wien verließ. Es war mit Sicherheit einer der bittersten Abschiede inmitten all der bitteren Abschiede damals. Wusste ich doch, dass es schwer sein würde in der Ferne jemanden zu finden, der meine Borsten so schneidet, dass ich nicht einem Besen oder Stachelschwein ähnle.

Der Gang zum Friseur wurde somit zum Gang nach Canossa. Vor einem Besuch trug ich meist eine Frisur, die einem toten Tier sehr ähnlich war – man könnte es vergleichen mit einer toten Katze, die man sich auf seinen Kopf legt. Nach den Besuchen schwankte mein Aussehen zwischen Kampflesbe mit Feiertagsfrisur und Hausfrau, die mal einen pfiffigen Haarschnitt probierte. Ich suchte weiter und weiter und weiter.

Kaum hatte ich den vermeintlich perfekten Friseur, zogen wir um, kamen die Kinder (und somit war ein Friseurbesuch so planbar wie sonniges, warmes Wetter im November) oder der Friseurladen sperrte zu. Kurz und gut – ein Desaster.

Schwierig war auch immer die soziale Komponente bei einem solch wichtigen Termin. Ist die Friseuse eine Mandy mit sächsischem Akzent, die mir unaufhörliche ihre dumpfen Ansichten des Lebens mitteilt? Oder ist es eine nach schweiß riechende, dicke Frau, die ihren wogenden Busen auf meinen Schultern ablädt? Absolut unakzeptabel sind auch die hippen Friseure, die laut schallend Hip-Hop und Techno Musik verbreiten und ihm Takt hinter einem rumzappeln, als müssten sie ganz dringend aufs Klo.

Aber das interessanteste passierte heute. Der Laden war schön. Die Friseurin war nett. Sie schien kompetent und zurückhaltend. Perfekt.

Beim Haarewaschen erhielt ich eine wohltuende Kopfmassage. Und dann ging die Schnippselei los. Schweigend.

Alle schwiegen in dem Laden.

Drei Friseurinnen und zwei Kunden schwiegen.

Dazu tüdelte aus den Lautsprechern sanfte, leise Meditationsmusik.

Da schlief ich ein. Im Sitzen. Während die blonde Friseuse mit der Schere meine Borsten fransig schnitt.

Es ist reines Glück, dass ich nicht vom Stuhl auf die Schere fiel, mir das Gesicht aufschnitt und das Genick brach.

Reines Glück.

Demnächst findet ihr mich wieder in einem hippen, technobeatlastigen Friseurschuppen, wo ich mit den Worten begrüßt werde: “Hej, was geht?”




22
Sep
2007

Supermarktkassenscanwettbewerb

von Bettina

Ich plane meine Einkäufe mittlerweile nicht mehr nach dem Motto was wird gebraucht, sondern danach wieviel auf die Miniabstellfläche bei so einer Supermarktkasse passt.

Bei mir zeigen sich mittlerweile schon beim Betreten des Supermarktes erste Stresssymptome.
Habe ich auch wirklich nur soviel auf meinem Einkaufszettel stehen, wie auch auf die Fläche passt?

Wenn ich auf die Kasse zurolle, dann setzen die ersten Schweißausbrüche ein.
Schaffe ich es heute, schneller zu sein, als die Kassierin? Habe ich auch wirklich nicht zuviel gekauft? Hoffentlich lege ich die Eier nicht wieder als erstes aufs Laufband?

All’ das können nämlich Dinge sein, die den an sich simplen Zahlvorgang in ein peinliches Kabarettstück verwandeln.

Die Kasse ist erreicht.
Ich schwitze. Meine Stimme wird dünn und kippelig und meine Knie wackeln.

Da – endlich bin ich an der Reihe.
Es piepst, das Band vor mir läuft los und meine Einkäufe rasen dem Abgrund entgegen.

Alles läuft gut. Ich räume wie ein Blitz die Einkäufe in meinen Korb. Fließbandarbeit mit geistiger Höchstleistung: Milch zuerst. Dann harte, unzerbrechliche Sachen. Dann Joghurt & Co. Zum Schluß die Eier, die leicht matschig werdenden Obstdinger und Brot.

Doch da – ein Malheur. Verhakt sich doch die Gurke mit dem letzten Joghurtbecher und droht vom Band zu fallen. Ich muss weg von meinem Einkaufskorb – hin zu der fallenden Gurke.

Die Kassierin scannt weiter, schiebt den Wust an Einkäufen einfach weiter.

Sie schiebt weiter und weiter und scannt und scannt.

Da passiert es. Die Erdnüsse fallen zu Boden, die Kassierin schaut mich grimmig an und schüttelt seufzend den Kopf.

Wieder nicht geschafft. Aber ich gelobe Besserung. Ich werde üben. Immer und immer wieder.

Bis ich so schnell bin, wie eine Aldi-Kassiererin.




20
Sep
2007

Lärm

von Bettina

Seinem Kind in Deutschland den Namen Liam zu geben, ist Geschmackssache. Man sollte sich nur bewusst sein, dass die kleinkindliche, lautmalerische Aussprache dieses Namens zu einiger Verwirrung führen kann.  Spätestens dann, wenn das eigene Kind vom Kindergarten nach Hause kommt und sagt:

“Der Lärm war heute so laut!”

Hoffen wir mal, dass nicht demnächst eine Liza dazu kommt, die zu leise ist!




Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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