Ich war in Wien unterwegs. Im schummrigen Licht der Nacht und im gleissenden Licht der unbarmherzigen Morgensonne. Ich fuhr mit der U-Bahn, mit der Straßenbahn, lief ein wenig umher, war am Rand von Wien und im Herzen von Wien unterwegs.
In Wien hat sich einiges verändert.
Es gibt zum Beispiel eine gratis Tageszeitung in den U-Bahnstationen. Der glorreiche Inhalt kann es nicht sein, der Menschen dazu bewegt, dieses Blättchen hemmungslos an sich zu reißen. Wahrscheinlich ist es eher die Tatsache, dass man damit wunderbar Hundstrümmerl entsorgen kann, eine Unterlage auf regennassen Haltestellenbänken hat oder zur Not seinen stinkenden Sitznachbarn damit prügelnd verjagen kann.
Wien hat auch das eine oder andere Lokal dazubekommen. Keine schlechte Novität, wenn man nach acht Jahren Abesenheit nicht wieder denselben Wesen begegnen möchte, um dann festzustellen, dass leider nur das Alter sichtbare Spuren hinterlassen hat – Geist und Wesen aber wundersamerweise von einem fortschrittlichen Prozess verschont blieben.
Hingegen gar nicht verändert hat sich das Wesen des Wieners im allgemeinen. Er hockt nach wie vor mit einem unglaublich grantigen Gesicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln, pfaucht und schnaubt bei harmlosen Fragen wie eine alte Dampflok und schafft es mit nur einem Gesichtsausdruck den gesamten Weltschmerz von Westeuropa auszudrücken.
Während ich so in der Straßenbahn vor mich hinstarrte fiel mir auch plötzlich auf, dass sehr viele Menschen um mich herum Bananen aßen. Männer und Frauen und Kinder und einen Hund sah ich sogar beim Bananenschalenessen. Ich sah Geschäftsmänner in ihren schicken Autos, als sie affenähnlich Bananen in sich stopften. Und ich bemerkte am Straßenrand eine Dame mit schwindelerregenden High-Heels an ihren storchenähnlichen Beinen, die gar nicht ladylike eine Banane aß.
Ich war verwirrt. Was war geschehen? Entdeckt der Wiener seine Wurzeln? Gibts im Zoo vielleicht ein Affenbaby mit dem sich alle solidarisieren? Oder gibt es andere Vorbilder für dieses affige Verhalten?
Eine Menge unbeantworteter Fragen - nur eines ist sicher: die entspannende Wirkung einer magnesiumreichen Banane braucht der phlegmatische Wiener von allen europäischen Hauptstädtern mit Sicherheit am wenigsten!
Bettina S., 36 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 7 und A. 5 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

Ja, ja, das Grantigsein hat fuer uns Wiener eine ganz besondere Bedeutung. Wir sprechen das Wort auch ganz besonders aus, wofuer eine deutsche Freundin von mir die Schreibweise ‘grantique’ erfunden hat. Als ab und an wiederheimkehrende Wiener und andere Besucher kann es ganz wichtig sein gleich ‘grantique’ wie die Wiener zu wirken. Weil! …sonst wird man sofort als Tourist entlarvt und von Taschendieben als Opfer ausersehen. Ganze Trauben von Taschendieben scheinen sich dann um einen zu scharen. Paszt also bitte auf, besonders in den Bus und Ubahnlinien von den Bahnhoefen (13A, U3, etc).
Und.. Bettina, Wien ist doch schon eher eine osteuropaeische Stadt. Budapest, Bratislava, Prag wirken auf mich ganz aehnlich wie Wien. Nur dass die Leute dort freundlicher sind!
gabi
Heee, was meldest dich nicht, wenn du in Wien bist.
Wäre sehr erfreulich, dich einmal persönlich zu treffen.
DeepBlue
Samstag zwischen 20.00 – 22.00 Uhr habe ich noch Zeit für 1,2,3,4,… Bier. Schreib mir eine Mail – ich habe deine nicht mit :-)
Gruß von einer schwer freizeitgestressten Auslandsösterreicherin in der Heimat!
Bettina
Sorry, zu spät gelesen. Tja. Du wirst ja wieder einmal nach Wien kommen, hoffe ich.
Da werden wir dann ein grosses Blogger-Treffen organisieren.
DeepBlue