Archiv für den 10. Oktober 2007

10
Okt
2007

Eva Hermann

von Bettina

Was soll ich machen? Ich muss darüber schreiben. Geht nicht anders. Frisst mich sonst auf, lässt meine Haare zu Berge stehen und raubt mir den Schlaf!

Wer gestern Abend die Johannes B. Kerner Sendung sah, der weiß ja Bescheid. Der Rest hat vom Rauswurf der Frau Hermann aus dem Studio vermutlich schon in den Medien gelesen.

Zwei Dinge beschäftigen mich seit der Sendung gestern nachhaltig.

  1. Das ewige Spielchen funktioniert noch immer: wenn man jemanden nicht mag, dann muss nur jemand kommen, den man noch weniger mag, um denjenigen zu mögen, den man eigentlich vorher nicht mochte! Mario Barth und Margarethe Schreinemarkers gehörten bis gestern Abend definitiv nicht zu den Menschen, die ich freiwillig auf dem Bildschirm anschaue. Aber nach und während Frau Hermanns verbalen Ergüssen gestern, erschienen diese beiden Personen plötzlich so nett, normal, witzig und kompetent, dass ich schon überlege einen Mario Barth und Margarethe Schreinemarkers Fanclub zu gründen.
  2. Mir wurde gestern bewusst, dass nicht der Inhalt der Aussagen Eva Hermanns mich so schockieren, sondern ihre bornierte, präpotente, arrogante Dummheit. Ich bin der absolut festen Überzeugung, dass Frau Herrmann weder rechtes Gedankengut in sich trägt, noch die rechte Szene in irgendeiner Weise bewusst unterstützen will. Umso schlimmer ist es, dass sie mit ihrer Dummheit und ihrer Sturheit dem rechten Lager immer mehr zuspielt und damit eine Diskussion in Gang setzt, die jeglicher moralischer und geistiger Logik entbehrt. Ich verwehre mich dagegen, dass eine Diskussion über Wertevermittlung, Kindererziehung, Rollenbild der Frau etc. pp. in der jetzigen Zeit auch nur ansatzweise mit dem Naziregime in Verbindung gebracht wird.

Ich entspreche dem gängigen Klischee einer Frau Hermann. Junge Frau mit zwei Kindern bleibt freiwillig zu Hause, überlässt dem Mann das Geld verdienen, führt zu Hause den Haushalt und kümmert sich um alle Belange, die die Familie betreffen.
Wunderbar. Habe ich mir freiwillig so ausgesucht.
Manche Erkenntnisse haben sich seit dem Entschluss allerdings auch ein wenig relativiert. Zum Beispiel bin ich mittlerweile der vollsten Überzeugung, dass Kinder ab dem 3. Lebensjahr dringend außer Haus betreut werden müssen – meine Kinder zumindest – um etwaigen nachhaltigen Mütterschäden entgegenzuwirken.

Jetzt aber bin ich fast fünf Jahr zu Hause. Und ich lechze nach Resozialisierung. Ich sehne mich nach Erwachsenen. Ich suche soziale Kontakte, wo ich sie nur kriegen kann. Ich will wieder arbeiten. Und ich bin so sehr davon überzeugt, dass das nicht nur mir, sondern vor allem auch meinen Kindern und meinem Mann gut tut.

Die Diskussionen die zum diesem Thema gerade allgegenwärtig sind, sind gut. Sie sind bunt und sie helfen uns Müttern der Jetztzeit Stimmen und Meinungen zu entwickeln und unser Rollenbild neu festzulegen. Es ist ein bisschen sowas wie eine 68er Bewegung des Jahres 2007. Man kann über alles reden und niemand verbietet einem den Mund (wie Frau Hermann gestern bei JBK meinte). Es suchen natürlich die verschiedenen “Eltern-Gruppen” ihre offiziellen Stimmen. Menschen, die ihre Ansichten nach außen hin vertreten und sich dafür einsetzen. Gut so!

Nur bitte nicht Eva Hermann für meine Ansichten. Nicht diese Frau für Mütter, die vielleicht die Spur mehr zu Hause sind, als andere Mütter. Nicht diese Art der Diskussion für vermeintliche Anti-Karriere-Frauen.

Wie wohltuend waren da die Aussagen von Senta Berger in der gestrigen Sendung. Sie reflektierte die 68iger Generation. Sprach darüber, dass sie viel Zeit mit ihren Kindern verbrachte und erkennen musste, dass das offensichtlich ihr wichtiger war, als den Kindern. Sie sprach darüber, dass es privilegierte Menschen gibt, die ein Wahlrecht haben zwischen Vollzeit-Kinderbetreuung und Karriere und darüber, dass es Menschen gibt, die keine Wahl haben. Und dass jeder Mensch die Unterstützung braucht, um sein Lebensmodell zu finden und nach bestem Ermessen zu leben.

Diese Stimme will ich hören! So laut, dass sie die Stimme von E. H. übertönt.

Ein für allemal!




Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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