Am 26.10. ist in Österreich Nationalfeiertag.
Ein historisches Datum – verließ doch am 26.10.1955 der letzte alliierte Soldat österreichischen Boden. Jahrzehntelang weckte dieser Feiertag in mir allerdings weniger nationalen Stolz, als eher die Freude über einen freien Arbeits- oder Schultag.
Nun ja, man wird älter, wohnt fern der Heimat und plötzlich beschleichen einen da so seltsame, heimatliche Gefühle. Es ist ein bisschen so, als wolle man jodeln, obwohl man grade mitten in der U-Bahn in Berlin sitzt.
Gestern überkam mich wieder so ein unglaublich sentimentales Heimatgefühl und ich fuhr kurzerhand zur österreichischen Nationalfeiertagsfeier einer Österreichervereinigung in Berlin an die Treppe des Rathauses Schöneberg. Jedes Jahr darf sich dort ein anderes österreichisches Bundesland durch eine kleine musikalische Darbietung präsentieren – dieses Jahr war Kärnten dran.
Waren es aus Kärnten bislang eher die Events von Hannes Jagerhofer, der eine oder andere fesche Mann (wobei das eine, das andere nicht ausschließt) oder die Fête Blanche Partys am Wörthersee die mich verzauberten, so waren es diesmal der Landskroner Männergesangsverein, die Kärntner Triologie und Die Stromlosen, die einen kalten, grauen, nebeligen Tag erhellten.

Jodeln, Zieharmonika, Tuba, Volkslieder, Polka tanzen – alles war dabei, sogar die permanente Titelerwähnung in den obligatorischen Reden war vorhanden – ganz so, wie es sich im Land der Magister, Doktoren, Präsidenten, Hofräte, Generalkonsulen, Professoren, Diplom Ingenieuren, … gehört! Und es war schön! Man muss wohl 33 Jahre alt werden, nach Deutschland auswandern, um das kulturelle Erbe der Heimat so schätzen zu lernen.
Summa summarum zwar ein sehr kalter, dafür aber auch wirklich reizender nationalfeiertäglicher Vormittag mitten in Berlin.
Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!
