Archiv für den 4. November 2007

04
Nov
2007

München

von Bettina

Wo ist man, wenn:

vor mir eine Frau geht, die dem Zero-Modelmaß entspricht. Blondiert ist bis zum Anschlag. Geschminkt für einen Bühnenauftritt. Gewandet in edelste Marken. An ihrer Seite ein Mann in Modelmaßen. Blondiert, gesträhnt, gestylt und frisiert wie ein Pudel in seinen besten Zeiten. Dezent, aber doch deutlich sichtbar geschminkt. Und gewandet in das edelste und coolste und hippste Gewand der Saison.

Richtig, man ist in München. 

Drei Tage war ich nun in der sagenhaften bayrischen Landeshauptstadt und bin dort schonmal eine große Sorge losgeworden. Nämlich die, in Zukunft nichts mehr zum Schreiben zu haben, wenn ich mein Lieblingsthema “Ostdeutschland” verlasse.

Es sind die vielen kleinen Dinge, die zukünftig dieses Blog füllen werden.

Allgemeine Betrachtungen der Menschen zum Beispiel - nirgendwo sonst gibt es eine so große Dichte an traditionell gekleideten Menschen. Sprich Dirndl und Lodenjanker bestimmen das Stadtbild. Wer keine Tracht trägt, trägt Pelz. Wer keinen Pelz trägt, trägt Designerklamotten. Wer keine Designerklamotten trägt, wohnt in einer Sozialbauwohnung am Hasenbergl, ist Alkoholiker und schämt sich seines Lebens.

Neuland ist auch die Verwirrtheit ob der dezenten Namensgebung der Kinder. Der beliebte Brandenburger Vorname Giancarlo hätte es in München bestimmt leichter, als Max. Ruft man nämlich Max! laufen  am Stachus in etwa 150 Kinder auf einen zu .

Sehr ergiebig werden auch die Alltagskleinigkeiten sein. Wie zum Beispiel die unbändige Freude darüber einen Laden betreten zu können und lautstark “Grüss Gott” rufen, ohne nennenswerte Reaktionen hervorzurufen. Kulinarische Gelüste in Form von Brezn, Weisswürscht und vorallem Hefeweizen in der aller Herrgottsfrüh werde ich bestimmt auch genauer betrachten müssen. Auch der traditionell täglich mehrmals gegessene Leberkäs wird Einzug halten in meine Geschichten.

Eine Sonderberichterstattung wird es dann geben, wenn die Kinder nicht mehr einpullern, Stullen essen wollen oder voll Freude einen LuftballonG ihr eigen nennen. Denn wenn erstmal gepieselt wird, das belegte Brot gegessen wird und jegliches G von Beton, Bonbon, Luftballon etc. verschwunden ist, dann ist unsere Welt wieder in Ordnung.




Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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