Glaubte man im zarten Alter von 20 noch, dass man gewisse Dinge NIE dulden würde und andere Dinge auf jeden Fall IMMER gelassen sehen würde, so erlangt man spätestens mit Mitte 30 die Erkenntnis: dem ist nicht so!
Putzlappen schwingend, Staub saugend und Wäsche waschend wirble ich zur Zeit täglich fröhlich singend durch unser Haus. Hollareidujo – was gibt es auch Schöneres.
Eine besondere Putzherausforderung stellt die Tatsache dar, dass unser Dorf zu 50 % aus Sandstrassen besteht. Das verschafft zwar den ungeheuren Vorteil, keinen Sand für die winterliche Streuung besorgen zu müssen und den Sandkastensand direkt von der Strasse holen zu können, andererseits führt es aber auch dazu, dass die Böden im Inneren unseres Hauses kaum von den Strassenböden draußen zu unterscheiden sind.
Dementsprechend gering ist auch meine Toleranzschwelle für Schuhe tragende Menschen in unserem Haus.
A. und P. konnte ich diesbezüglich schon gut abrichten:
Schuhe im Wohnzimmer = Peitschenhiebe
Schuhe in der Küche = finsterer Keller
Schuhe im Schlafzimmer = Zwangsadoption.
Nur, was mache ich mit dem Ehemann? Ich dachte an diverse ehepädagogische Ratschläge und suchte den Dialog:
“Ehemann, könntest du dir deine Schuhe bitte im Vorzimmer anziehen und nicht am Sofa! Ich habe nämlich keine Lust jeden Tag hinter dir her zu saugen!”
Man sollte, könnte, würde meinen, dass diese Bitte klar formuliert und präzise vorgetragen, kaum Raum zu Fehlinterpretationen lässt.
Einen Tag später saß der Mann brav im Vorzimmer, zog sich seine Schuhe an. Dann ging er ins Wohnzimmer, holte das Handy und wanderte weiter ins Esszimmer und holte den Laptop. Während seiner fröhlichen, beschuhten Wanderschaft durchs gesamte Erdgeschoss war er wohl einigermaßen irritiert, als er Gewehrsalven hinter sich hörte und verließ fluchtartig das Haus.
Die Verwunderung muss so groß gewesen sein, dass er am Abend fragte, was denn gewesen sei – er hätte sich die Schuhe doch im Vorzimmer angezogen. So wie ich es ihm klar formuliert und präzise vorgetragen mitgeteilt hätte.
Peng! Und weg war mein letzter illusorischer Glaube von Mitte 20!
Bettina S., 36 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 7 und A. 5 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

Sandstrassen ??????
Du lebst aber schon noch in Mitteleuropa, oder ??
DeepBlue
Nun ja – ich denke schon. Wir wohnen (noch) hier:
http://www.pappalatur.at/2007/01/20/solidaritaetszuschlag/
Bettina
Ach sooo, dachte ihr seit schon in Bayern !!
DeepBlue
Liebe Bettina,
damit hast Du Dir eine vom “Westen” oft belächelte “Ost”eigenschaft angewöhnt! Jetzt wird einmal klar, weshalb die Schuhe im Haus in den meisten Fällen besser ausgezogen werden (neben der Tatsache, dass es auch mal gut für die Füße ist, barfuß oder in Socken zu laufen).
Nun stell Dir vor, Du wohnst auch noch in einer Umgebung mit vielen Hunden, die jeweils eine gute Verdauung genießen…
Wenn Du dann in Bayern bist, können ja alle die Schuhe wieder anlassen. ;)
Susi Sonnenschein
Hahaha…das ist mein Onkel!
nini
Aha – eine “Osteigenschaft” ist das also. Nunja – die Sandstrassen lassen das durchaus vermuten.
Bleibt nur die Frage nach dem kollektiven Händeschütteln im Osten? Woher kommt das?
Bettina
Die Maoris machen das auch und die sind doch eher im Westen von Deutschland. Oder doch Osten? Man koennte nartuerlich auch bei Suedfrankreich reinbohren und schaufeln und schaufeln und schaufeln bis man in Neuseeland rauskommt (oder doch … oje, verpaszt, mitten im Pazifik).
gabi