Archiv für den 5. Februar 2008

05
Feb
2008

Eierloch

von Bettina

“Eierloch – fang mich doch”

Diesen wunderbar reimenden Einzeiler singen P. und A. leidenschaftlich gerne. Weder habe ich eine Ahnung wo sie das Wort Eierloch herhaben – vermutlich aus den Untiefen des Kindergartens oder aus den noch tieferen Untiefen ihres Gehirns – noch weiß ich, was es bedeuten soll. Egal, ich finde es grauslich. Erinnert es doch peripher an das A….loch (dessen Einzug ich in unser Haus solange wie möglich hinauszögern will) und an die weibliche Anatomie für den Vorgang des Befruchten und Brüten. Letzteres hat in der Intensität auch noch nicht wirklich etwas verloren bei meinen niedlichen, wohlerzogenen, kleinen, unschuldigen Jungs.

Kurz und gut – Eierloch steht bei uns zu Hause auf dem Index. Vergehen werden erst mit Ermahnung, dann mit lautstarker verbaler mütterlicher Attacke und zu guter Letzt mit Androhung eines Kinderumerziehungslagers in Sibirien geahndet.

Sonntag, 15:30 Uhr, U-Bahn in München, Familienausflug in die Stadt.

Eine üppige Frau mit kleinem Hund und kleinem Kind betritt unser Abteil und setzt sich neben uns. Die Frau ist gemäß Münchner Ausgehgesetz § 1.4. Sonntagnachmittag alleinerziehenden Aufreißuniform aufgebrezelt und verleiht dem ganzen mit einem leicht dümmlichen Gesichtsausdruck Stil.

P. und A. fangen binnen kürzester Zeit mit ihrem fröhlichen kleinen Liedchen an. “Eierloch, fang mich doch…”. Wenn Blicke töten könnten, dann hätten wir jetzt keine Kinder mehr. Hat nicht funktioniert. Also musste der Liebreiz der Stimme her “P., A., wenn ihr das noch einmal singt, dann steigen wir sofort aus und fahren nach Hause. Wir wollen das nicht hören!!!” zische ich ihnen voll Zorn entgegen – laut hörbar für sämtliche Fahrgäste.

“Entschuldige, ich versteh dich nicht. Was hast du gerade gesungen?”

Fassungslos starre ich den aufgebrezelten Kleiderständer neben uns an. Hatte die gerade tatsächlich nachgefragt, wie das Lied heißt, dass ich gerade ausdrücklich verboten hatte zu singen?

P. – zu absoluter Höflichkeit erzogen, trällert gleich wieder los. “Eierloch, fang mich doch.”

Ich funke sofort dazwischen und fauche ihn an: “Lass das P. – ich will das nicht hören. Hör auf damit.”

“Was heißt denn Eierloch? Das versteh ich nicht!”

“Tja, meine hübsche Dumpfbacke, das heißt wohl soviel wie: Dicke, fette, dumme Frau – fang mich doch.”

Dann musste ich leider ihren Hund aus dem Zug werfen, ihr das Make-up vom Gesicht kratzen, ihre Kleider vom Leib reißen und ihren kleinen, niedlichen Sohn entführen. Auf dass er eine einmalige Chance erhält, normal aufzuwachsen.




Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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