Archiv für März 2008

30
Mrz
2008

Care Paket II

von Bettina

Meine Heißhungerattacken auf österreichisches Essen treten meistens spontan und völlig unerwartet auf. In der brandenburgischen Pampa hieß das bislang immer, darben und fristen bis Besuch aus der Heimat kommt und einen kulinarisch erlöst.

Jetzt, wo wir so nah an der heimatlichen Grenze wohnen wartete ich schon sehnsüchtig auf solch eine Heißhungerattacke, um spontan nach Österreich fahren zu können und mindestens genauso spontan zum Beispiel ein Topfenknödl verdrücken zu können. Jetzt, wo ich endlich so nah dran bin, sollte das ja kein Problem mehr sein.

Als letzte Woche mein Heißhunger auf Zwetschkenröster beängstigend groß wurde, wollte ich mich schon auf den Weg machen. Kurz bevor die Reise ins nahe Salzburg losgehen sollte, überkamen mich dann doch schleichende Zweifel, ob es nicht ein wenig übertrieben sei wegen 250 Gramm köstlichen Kompottes ca. 180 Kilometer durch die Prärie zu fahren.

Also kontaktierte ich demütig meinen persönlichen Dealer für heimische Waren. Man sollte manche Dienstleistungen nie für selbstverständlich nehmen. Retten sie einen doch aus wirklich misslichen Lagen und beglücken einen ausnahmslos mit wunderbaren Dingen. Neben meinem all-time-Favorite, dem Gala-Abo, ist der Austria Onlineshop meine zweite institutionelle Lieferbeziehung.

Zwetschkenröster also bestellt und zwei Tage später war das Care Paket da. Leider war die restliche Familie anwesend, als ich das Paket öffnete.

Austria Online Shop

Warum neben zwei Portionen Kompott auch noch Unmengen an Kalorien drinnen waren, führte nämlich umgehend zu einiger Verwirrung. Ich versuchte zu erklären, dass das meine Belohnung für die lange Fastenzeit sei, wurde aber sofort daraufhingewiesen, dass ich nie gefastet hätte. Hinweise auf eine Verwechslung beim Austria Online Shop wurden auch rigoros als Lüge abgetan. Dann verlangte man von mir, ich solle teilen.

Also ging ich in die Offensive. Ich lehnte jegliche Teil-Versuche ab, kaufte mir einen Tresor für meine kulinarischen Schätze und erfreue mich jeden Tag an einem Bissen fetten Fleischschmalz Brot und ein paar Stücken Mint-Trüffel Schokolade.

Nächste Woche habe ich im Kindergarten ein Elterngespräch, weil meine Söhne angeblich partout nicht teilen wollen und ihr Essen verstecken. Woher sie das wieder haben? Seltsame Kinder.




28
Mrz
2008

Auslandsösterreicher II

von Bettina

Manche Auslandsösterreicher haben eine sehr lustige Freizeitbeschäftigung. Sie, die freiwillig in die Ferne zogen, gründen in ihrer neuen Heimat Stammtische, treffen sich in Rudeln, freuen sich wie ein Schneekönig, wenn ein Auto mit österreichischen Kennzeichen an ihnen vorüber fährt und könnten den Supermarktleiter vor Freude umarmen, wenn er Almdudler verkauft.

Warum ist das so? Immerhin verließen wir ja seinerzeit freiwillig unsere Heimat.

Sind wir also die moderne Form der Jesolo-Caorle-Bibione-Touristen, die zwar ins Ausland fahren, dort aber lautstark Schnitzel und Gurkensalat einfordern? Oder ist Österreich als solches einfach so unfassbar großartig, dass selbst nach längerer Abwesenheit die Sehnsucht nicht nachlässt sondern größer wird? Oder ist es eine bestimmte Art von beschränkten Horizont frei nach dem Motto: “Was der Bauer net kennt, des frisst er net!”?

Bei österreichischen Treffen aller Art fallen sich Österreicher aller neun Bundesländer in die Arme und teilen die unbändige österreichische Wiedersehensfreude. Das ist hochinteressant. Hat doch der Niederösterreicher mit dem Vorarlberger in etwa soviel gemeinsam, wie der Westfale mit dem Wiener. Die Sprache ist anders, die kulinarischen Köstlichkeiten sind anders und die Bräuche könnten auch unterschiedlicher nicht sein.

Einzig der Schmäh, der ist irgendwie landesweit gleich. Ich weiß zwar nicht genau, was der österreichische Schmäh ist, weil ich selber vermutlich zu nah dran bin, aber ich meine darin eine wohltuende Mischung aus Zynismus, Sarkasmus, Anzüglichkeit, Charme und Wortwitz zu erkennen.

Also werde ich weiterhin gruppentherapeutische Treffen mit Auslandsösterreichern besuchen und die anregenden Gespräche als wortgewaltige Hirnnahrung verbuchen!




27
Mrz
2008

Rätsel

von Bettina

Viele Rätsel verfolgen mich in meinem Leben.

Das ewige Rätsel zum Beispiel, warum Flugzeuge oben bleiben, obwohl sie doch so schwer sind und Schiffe nicht untergehen, obwohl sie doch auch so schwer sind. Ich rätsel auch ewig rum, warum schon der Gedanke an eine Zitrone den Speichelfluß in bedenklichen Rahmen bei mir ansteigen lässt und warum ich mich selbst nicht kitzeln kann, während andere mich damit an den Rande des Wahnsinns treiben können.

Rätsel über Rätsel also.

Das größte Rätsel begleitet mich aber seit ein paar Jahren in Form von witzigen Aufklebern.

Amelie fährt mit” steht dann da auf einem großen Familienauto. Aha, die Amelie also. Nur die Amelie, oder fährt noch wer mit?

Oder “Lukas on Tour“. Wobei einzelne Buchstaben bereits abgekratzt sind und man nur noch ein “L_ka_ _n T_ur” entziffern kann.

Welcher Sinn steckt da dahinter? Was wollen die mir sagen?

Dass Lukas – vermutlich ein sowieso schon arg vom Leben gebeuteltes Kleinkind – da drinnen hockt, während “Birgit” die Mutter es zum Turnen kutschiert? Dann möchte ich aber bitte die ganze Information lesen.

Die Namen aller Anwesenden. Das Ziel der Fahrt. Und wenn möglich auch den Stimmungsgrad inkl. Ursache.

Ich empfehle dafür eine Leuchtreklametafel in der Größe 100 x 60 cm, anzubringen unter dem Heckfenster und über dem Nummernschild. Und da steht dann:

“Rudi und Resi fahren mit Kevin und Jessi in den Supermarkt. Die Stimmung ist scheisse, weil Jessi zur Mama blöde Kuh gesagt hat.”

Oder man löst es elegant so:

Keine Namen




Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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