Früher, als die Welt noch in Ordnung war, die Luft rein und klar und das Essen nicht kontaminiert mit Schadstoffen, da hat man ganz normal, im kleinen vertrauten Kreis seinen Lebenspartner kennengelernt. Beim Dorffest zum Beispiel. Die Mädels fesch im Dirndl und die jungen, brunftigen Männer in der eingetragenen Lederhos’n. Die Mädels dufteten höchsten nach Puder, meistens aber nach Essen, putzen oder Wäsche waschen. Die männliche Dorfjungend hatte vermutlich die Haare mit Pomade ins rechte Licht gerückt und der Körpergeruch war vermutlich recht eigenbestimmt, da das Dorffest selten mit dem Badetag zusammen fiel. Nun denn. Männlein und Weiblein trafen also aufeinander, rochen nach sich selbst, konnten sich ungestört becircen und beflirten und wurden akustisch höchstens durch einen Tusch der örtlichen Dorfblasmusikkapelle gestört. Idylle pur.
Ein Sprung hundert Jahre weiter.
Dorffeste gibt es kaum noch. Und wenn, dann sind sie so beschallt, dass man sein eigenes Wort kaum versteht. Und geruchlich kann man sich ja sowieso nirgendwo mehr herantasten, da billige Imitatparfums aus dem letzten Mallorca-Urlaub jegliche Geruchsanbahnung unterbinden. Also lernt man sich irgendwo, irgendwann, irgendwie kennen. Ganz ungeduldige oder ungeliebte Menschen rufen sogar das Orakel einer rein virtuellen Partnerschaftsvermittlung an. Manche lassen sich auch auf organisierte Blind-Dates von Freunden ein, die vermutlich das Sudern nicht mehr ertragen können oder sich einen wirtschaftlichen Mehrwert aus der möglichen Allianz zweier Freunde erhoffen.
Selbst auf dem Weg zu abendlichen Veranstaltungen, Treffen, Feiern, etc. hat man ja keine Chance mehr ein vielleicht interessantes Pendant kennenzulernen. Nix sehen, nix hören, nur sich selbst riechen. Ich gebe zu – ich gehöre auch dazu. Nur, ich habe mich ja schon erfolgreich an einen paarungswilligen Mann heran geschnuppert und geflirtet. Wenn man aber heutzutage in der U-Bahn sitzt, dann wundert man sich nicht, dass partnerschaftswillige Menschen heutzutage kaum noch zueinander finden. In jedem Ohr ein Stöpsel voll mit berieselnder Musik, die Augen sind entweder mit einer Sonnenbrille bedeckt oder stieren sinnentleert aus dem Fenster. Und riechen – riechen tut schon lange niemand mehr nach sich selbst. Wenn sie dann in einer vollgestopften Kneipe/Club/Bar/Disco voll balzender Menschen angekommen sind, trifft eher der Spruch zu “vor lauter Bäumen keinen Wald sehen”, als ungestört das Terrain sondieren.
Hat sich denn die Wichtigkeit des Beschnupperns noch nicht herumgesprochen? Weiß denn niemand mehr, wie betörend der Klang einer Stimme sein kann? Wenn dann auch noch ein bisschen Alkohol dazukommt, kann das zu wahrlichen emotionalen Explosionen führen.
Ich rufe daher auf zum ungeschwaschenen Treffen auf einer bunten Blumenwiese. Mit nichts als guten Gesprächen, unverfänglichem Herumschnuppern und zwischenmenschlichen Kontakten.
Daraus resultierende Kinder stellen auch die ideale Grundlage für eine umweltbewusste Erhaltung unseres ach so verkommenen, verunreinigten Planeten dar.
Blumenkinder – kommt zurück!
Bettina S., 36 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 7 und A. 5 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!
