21
Mrz
2008

Trendschlampe zu vergeben!

von Bettina

Im Rahmen des Möglichen bin ich eine Trendschlampe. Ich versuche es zumindest. Meine bildende Lektüre nennt sich Gala und Vanity Fair und mein modisches Know-How beziehe ich aus hochstilisierten amerikanischen Vorzeigeserien.

Aber es ist schwer, immer am Trend zu bleiben.

Begonnen hat alles mit dem Magertrend von “Ally McBeal”-Darstellerin Callista Flockhart. Ich war einfach nicht geeignet für diese Nicht-Esserei. Und als ich dann las, dass die Frau nur 160 cm groß ist, musste ich sowieso passen. 160 cm kann man mager hungern. Eine weiblich-stattliche Größe wie meine nicht.

Den von “Sex and the City” ausgelösten Hype um die Manolo Blahnik Schuhe musste ich leider auch auslassen, weil Stilettos bei einer Körpergröße von 175 cm und einer Schuhgröße Nr. 41,5 eher erschreckend, als attraktiv aussehen. Es waren tragische Wochen nach dieser Erkenntnis.

Geheilt hat mich kurzfristig der Trend, Wodka mit Red Bull gemischt zu trinken. Der Hype war lokal begrenzt auf die Wiener Szene und ich war trendig wie noch nie. Man kann es meiner Trinkfestigkeit zuschreiben oder auch einfach der Tatsache, dass ich einen kaum vorhandenen Blutdruck hatte, der Red Bull als noch angenehm empfand, während meine Gegenüber schon mit Herzattacken zu kämpfen hatten.

Die vergangenen Jahre stolperte ich dann eher trend- und damit freudlos durch die Gegend. Galt ich in der östlichen Randzone doch schon selbst als Trend. Vielleicht weil ich aus Österreich bin, vielleicht weil ich so lustige Dinge sage wie “Das tun wir blasen, dann wird’s schon wieder gut.” oder vielleicht aber auch, weil ich die Courage hatte heilige Feiertage zu ignorieren und Radau zu machen.

Zurück in der Zivilisation und willentlich trendy zu sein, überrumpelt mich nun ein neuer Trend, von dem ich keine Ahnung habe, wie ich damit umgehen soll.

Reife Frau – jüngerer Mann!

Demi Moore, Halle Berry, Margarethe Schreinemakers oder Ivana Trump…

young Lover

… Sie alle leben es uns vor und haben einen jüngeren Partner.

Wie aber soll ich diesen Trend ausleben? Es ist im allgemeinen doch so, dass Frauen bis Mitte/Ende Zwanzig einem gleichaltrigen oder jüngeren Mann in etwa soviel erotisch-interessantes abgewinnen können, wie einem nassen Waschlappen. Zu bübisch, zu unerfahren, zu unsicher, zu unmännlich.

Das ändert sich. Schwupps und schon ist der Milchbubi von gestern ein g’standenes Mannsbild, dessen Faszination man sich kaum erwehren kann.

Nur hat die Frau in dieser Zeit ihr Leben auch vorangetrieben. In meinem Fall: Mann, Kinder, Haus!

Und jetzt wird’s schwierig. Wie soll ich den neuen Trend umsetzen? Ich kann doch nicht dem besten aller Ehemänner sagen: “Schatz, ‘tschuldige. Aber es ist nur mal trendy einen Jüngeren zu haben. Ziehst du bitte aus!” Ich vermute mal auf wenig Verständnis seinerseits. Auch die Kinder könnten etwas irritiert auf die neue Familienkonstellation reagieren.

Hätte ich vor Jahren schon gewußt, dass dieser Trend kommt. Dann wäre ich solo geblieben, hätte versucht den daraus resultierenden Frust in meinem Gesicht zu verbergen und würde mich jetzt auf die knackigen Freunde meines wesentlich jüngeren Bruders stürzen.

Nun steh ich also da. Nicht fähig auch nur einen einzigen Trend mit zu machen.

Schweren Herzens gebe ich ihn ab, den mir heiligen Titel Trendschlampe!

Wer möchte ihn haben?



6 Kommentare zu “Trendschlampe zu vergeben!”



  1. 1.    27. März 2008    02:36 Uhr

    Schwaermt man in NZ von juengeren Maennern, dann schwaermt man von unserem neuersten “weather-girl” Tamati
    http://tvnz.co.nz/view/page/430905/1300386


    gabi

  2. 2.    27. März 2008    13:46 Uhr

    Unser “weather-girl” sieht so aus:
    http://www.raumfahrer.net/veranstaltungen/portal/images/Kachelmann2-k.jpg
    und wer davon schwärmt, ist selber Schuld!


    Bettina

  3. 3.    28. März 2008    12:03 Uhr

    Ich! IHICH!!!
    Trend ist nämlich auch – vgl. Charlotte Roche, Platz 2 der Spiegel-Bestseller-Liste (“Analfissuren”) – ganz nonchalant und öffentlich die ordinärsten Dinge von sich zu geben!
    Ich hatte es mir ja abgewöhnt, aber nun sage ich wieder ganz laut “Ficken!”, wenn was schief läuft, oder besser, man ist doch heute “hardcore” und “Ich find Dich porno!” gilt als Kompliment, also, ich sage ab sofort “**ficken” (die Autorin verlangte eine Korrektur, Anm. d. Red.!), jawohl, wer kommt jetzt und hält meinen Kindern die Ohren zu?


    Britta K

  4. 4.    28. März 2008    14:08 Uhr

    Naja, sind halt alles Schimpfwörter die einem gebildeten Menschen nicht in den Mund passen sollten! Jugendliche benutzen diese, was auch in Ordnund ist.. aber irgendwann mal ists net mehr lustig.


    Tanja

  5. 5.    28. März 2008    15:11 Uhr

    Frau K,
    das finde ich sehr löblich. Es würde uns so unglaublich befreien, endlich wieder in der Sprache reden zu dürfen, die wir jahrelang gewohnt waren.
    Eine blöde Person, die unsere maulend, schreienden Kinder an der Supermarktkasse anraunzt und man pfaucht einfach ein elegantes “Fick dich ins Knie” zurück.
    Herrlich!
    Und für die Kinder gibts Ohropax. Oder man steckt ihnen einfach geklaute Gummibärchen ins Ohr!


    Bettina

  6. 6.    3. April 2008    14:43 Uhr

    [...] Frage über: welche Sucht darf’s denn bitte jetzt sein. Bin ich schon den Titel Trendschlampe losgeworden, so will ich mir doch wenigstens die eine oder andere Sucht gönnen. Eine, die nicht älter [...]


    Pappalatur » Süchte



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Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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