Manche Auslandsösterreicher haben eine sehr lustige Freizeitbeschäftigung. Sie, die freiwillig in die Ferne zogen, gründen in ihrer neuen Heimat Stammtische, treffen sich in Rudeln, freuen sich wie ein Schneekönig, wenn ein Auto mit österreichischen Kennzeichen an ihnen vorüber fährt und könnten den Supermarktleiter vor Freude umarmen, wenn er Almdudler verkauft.
Warum ist das so? Immerhin verließen wir ja seinerzeit freiwillig unsere Heimat.
Sind wir also die moderne Form der Jesolo-Caorle-Bibione-Touristen, die zwar ins Ausland fahren, dort aber lautstark Schnitzel und Gurkensalat einfordern? Oder ist Österreich als solches einfach so unfassbar großartig, dass selbst nach längerer Abwesenheit die Sehnsucht nicht nachlässt sondern größer wird? Oder ist es eine bestimmte Art von beschränkten Horizont frei nach dem Motto: “Was der Bauer net kennt, des frisst er net!”?
Bei österreichischen Treffen aller Art fallen sich Österreicher aller neun Bundesländer in die Arme und teilen die unbändige österreichische Wiedersehensfreude. Das ist hochinteressant. Hat doch der Niederösterreicher mit dem Vorarlberger in etwa soviel gemeinsam, wie der Westfale mit dem Wiener. Die Sprache ist anders, die kulinarischen Köstlichkeiten sind anders und die Bräuche könnten auch unterschiedlicher nicht sein.
Einzig der Schmäh, der ist irgendwie landesweit gleich. Ich weiß zwar nicht genau, was der österreichische Schmäh ist, weil ich selber vermutlich zu nah dran bin, aber ich meine darin eine wohltuende Mischung aus Zynismus, Sarkasmus, Anzüglichkeit, Charme und Wortwitz zu erkennen.
Also werde ich weiterhin gruppentherapeutische Treffen mit Auslandsösterreichern besuchen und die anregenden Gespräche als wortgewaltige Hirnnahrung verbuchen!
Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!
