Männern im Allgemeinen sagt man ja nach, dass sie nicht gerne Emotionen zeigen. Vermutlich weil sie es nicht können. Ist nicht logisch genug, darum entbehrlich.
Ich bin mir sicher, dass genau aus diesem Grund der Fußball erfunden wurde. Lang aufgestaute Emotionen konnten so endlich raus. Man gab sich keine Blöße mehr, wenn man weinte, lachte, schrie, umarmte, denn der Grund war ja einzig und allein – der Fußball.
Ein Stück weit kann ich es auch nachvollziehen. Wann schon hat man in seinem Leben die Chance völlig hemmungslos fremde Menschen zu umarmen, die vermutlich schwitzen, nach Bier riechen und eine völlig vergrölte Stimme haben. Aber es hat was. Es ist ein bisschen so, wie die letzte derbe, animalische Seite ausleben können, die man irgendwo versteckt in sich vermutet.
So auch gestern. Österreich gegen Polen. Astreiner Fußball, man muss sich in keinster Weise für die österreichische Elf schämen. Damit Mitfiebern auch so richtig Spaß macht, trifft man sich im österreichischen Rudel, trägt rot-weiße Leiberl und singt bei der Bundeshymne inbrünstig mit. Nach kurzer Zeit war einigen Personen klar – es ist uns natürlich wichtig, dass Österreich ein Tor schießt, um zu gewinnen, aber noch wichtiger wäre es uns, das Österreich ein Tor schießt, damit wir in die Höhe springen können, schreien bis zum Umfallen und uns dann glückselig in die Arme fallen.
Also, liebe österreichische Nationalmannschaft. Schießt gegen Deutschland bitte viele, viele Tore. Natürlich, um zu gewinnen, aber vor allem, dass ich wieder so großartig springen, schreien und umarmen kann!
Danke!
Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!
