Wie der aufmerksame Leser weiß, habe ich im Frühjahr die sportliche Welt für mich entdeckt. Kein Wetter war mir seitdem zu schlecht, keine Ausreden ließ ich mehr gelten und nichts und niemand konnte mich dabei aufhalten, meinen Körper tagtäglich aufs neue zu schinden, zu knechten und zu quälen. Es hatte sich gelohnt. Ich bestand nur noch aus Muskeln und Sehnen und Stereoiden.
(Ich, verkleidet als Madonna vor drei Wochen im Urlaub)
Ich lief problemlos drei Stunden im Wald und ging dann noch fünf Stunden schwimmen. Selbst beim Kochen lief ich fröhlich auf einem Laufband in der Küche. Während der Rest der Familie entspannt mit dem Auto ins ferne Österreich auf Urlaub fuhr, legte ich die ganze Strecke auf dem Fahrrad zurück. Ich war eine einzige Fitnessmaschine.
Und dann kam SIE, die unsägliche, kränkliche Phase des Rumliegens und Nichtstuns. Während ich versuchte den Virus in mir zu besiegen, konnte ich förmlich zusehen, wie meine Muskeln schrumpften, mein gestählter Körper seine Formen verlor und nichts als schlabbrige, teigige, gewöhnliche Masse übrigblieb.
Panik macht sich breit. Was, wenn das so bleibt? Was, wenn diesmal mein innerer Schweinehund siegt und die Lethargie bleibt und nie wieder geht?
Kein Problem – ich habe vorgesorgt. Frau von Welt weiß eben immer was zu tun ist:
Extrem-Couching, das
-s, o. Pl.; Freizeit und Sport; bei Google
Unter Extrem-Couching versteht man , wie bei allen Extremsportarten , eine Form von exzessivem Tun , von bis hart ans Limit gehen und phasenweise darüber hinaus . Wie bei allen Extremsportarten handelt es sich auch bei Extrem-Couching um eine Betätigung mit hohem Suchtpotential ; man will immer länger , immer flacher , immer tiefer , schlicht : immer extremer .
Wie geht Extrem-Couching ?
Die Regeln des Extrem-Couchings sind schnell erklärt . Die Hauptaufgabe besteht darin es sich so lange wie möglich auf einer Couch bequem zu machen . Dies kann sowohl in sitzender , sowie halb-liegender als auch ich liegender Form praktiziert werden , wobei besonders bei der liegenden Variante darauf zu achten ist , von Zeit zu Zeit die Stellung zu wechseln , um den Symptomen des Durchliegens ( med. Dekubitus ) weitestgehend vorzubeugen.
Passt irgendwie perfekt. Das Sofa und ich, wir harmonieren einfach umwerfend miteinander. Und wenn man die Kleidungsstücke farblich darauf abstimmt, dann kommt sogar so ein bisschen das Gefühl von Attraktivität auf.
Also pfeif auf die Bewegung – ich lieg ab sofort nur mehr rum.

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!
