Archiv für Januar 2009

26
Jan
2009

Psychedelischer Wahnsinn

von Bettina

Ich war in meiner Kindheit keine großartige Puppenspielerin. Es gab zwar die Rosi und die Resi – aber bis auf zwei wundervoll ausgewählte Namen schenkte ich ihnen wenig meiner Aufmerksamkeit.

Viel lieber spielte ich mit Matchboxautos (Unfall), Holzstecken (erschiessen), Playmobil (Raumschiff Enterprise) und verkleidete mich (Sheriff und Gefangener). Manche Menschen sagen mir nach, ich sei ein seltsames Mädchen gewesen. So anders, als die anderen. So unmädchenhaft. So komisch halt irgendwie.

Wundert es euch?

Das hier waren nämlich meine liebsten Kuscheltiere. Die haben mich wirklich geprägt:

Kasperl und Hung

Letztendlich muss man froh sein, dass ich nicht zum frühkindlichen Marilyn Manson wurde. Oder schon mit drei Jahren nach LSD und Hasch verlangte – in Anbetracht der fröhlichen Stofftiere durchaus vorstellbar.

Meine Güte, was hat man uns armen Kindern in den 70er Jahren alles zugemutet?

Vor allem wenn man bedenkt, dass das Kind dieser Zeit – während es solche bunten Ungetüme im Arm hielt – selbst gekleidet war wie ein kleiner Papagei: karierte Latzhose, gestreifter Rollkragenpulli und buntgestrickte Socken. Und das alles spielte sich ab in Zimmern mit solchen Tapeten:

Bei Bedarf einer 70er-Jahre-Selbsthilfegruppe bitte sich vertrauensvoll an bettina[at]pappalatur[punk]at wenden!




21
Jan
2009

Die Giulia

von Bettina

Um folgenden Beitrag zu schreiben, muss ich mich leider outen: ich sehe täglich das Dschungelcamp. Es gibt keinen Grund dafür – ich mache es einfach. Genausowenig Grund gibt es dafür, dass ich während dieser Sendung ungefähr 500 Gramm saure, klebrige Weingummisticks esse. Ich mache es einfach.

Das Dschungelcamp erfreut mich also (fast) tagtäglich und gestern abend stellte ich mir die langverdrängte Frage, ob es nicht doch einen Grund dafür gibt. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: die frappierende Ähnlichkeit zwischen Giulia S. und A.!

Nun gut, Giulia Siegel ist zwar 34 und Kind A. erst 3 3/4 Jahre alt, aber ansonsten stimmt alles überein:

  • blonde, krause Haare
  • theatralischer Gesichtsausdruck
  • jederzeit bereit für den Tränenausbruch
  • Trotzanfälle und Kummeranfälle unter dem Tisch
  • Schimpfwort flüsternd durchs Haus stapfen
  • ein äußerst seltsames Essverhalten: ich esse kein Fleisch außer, das das mir schmeckt
  • Neid: wenn Du eine Banane isst, dann will ich auch eine – auch wenn ich vor drei Sekunden noch einen Apfel wollte

to be continued…

Erziehungstipps kommen nun von Günter Kaufmann. Mit wohlklingender, sonorer Stimmer erklärt er, dass man der Giulia Grenzen setzen muss. Und dass man aufpassen muss, nicht zu ihrem Leibeigenen zu werden. Und über allen Theorien schwebt der Verdacht, dass Fräulein Siegel als Kind nicht genug beachtet wurde.

Och nö. Die Arme.

Aber wenigstens wurde sie reich nicht beachtet – immerhin besser als arm nicht beachtet zu werden.

Was lernen wir also nun für A. erzieherischen Fortgang daraus:

  • das Kind beachten, beachten, beachten
  • meinen Sklavenstatus in der Familie überdenken
  • A. anmelden fürs Dschungelcamp 2030
  • Günter Kaufmann als Tagesvater anfragen
  • Giulia Siegels Adresse herausfinden und eine Bannmeile von einem Kilometer einhalten.



09
Jan
2009

Pädagogisch wertvoll

von Bettina

Es gibt sie ja – diese Familien, in denen ausnahmslos mit leiser Stimme gesprochen wird. Ja sogar Androhungen, Maßregelungen und Zurechtweisungen werden dort mit einem liebevollen, leisen, aber sehr bestimmten Tonfall ausgesprochen.

Meine Familie gehört nicht dazu. Schon meine Ursprungsfamilie gehörte nicht dazu. Eindeutig. Eher könnte man unserer Art der Konversation etwas theatralisch-laustark-südländisches nachsagen. Obwohl wir die geografische Grenze des Weinviertels nie unterschritten haben.

Ergo dessen habe ich laute Kinder. Sehr laute Kinder.

Gestern waren sie besonders laut. So schreiend, kreischend, blödsinnig laut. Es überforderte sogar meine – an Lautstärke durchaus gewohnte – Ohren. Also forderte ich Ruhe ein. Erst leise. Soll ja angeblich funktionieren, wenn Mütter sehr leise mit den Kindern sprechen, dass diese dann ebenfalls leise werden, um Gesagtes zu verstehen. Meine nicht. Meine schrien weiter. Ich erhob meine Stimme ein wenig:

Ruhe! Ich habe schon Kopfschmerzen von eurer Schreierei!

Auch diese Kinder soll es geben, die ob einer körperlichen Schwäche eines Elternteils Einhalt gebieten und so ihre soziale Kompetenz zur Schau tragen. Meine nicht. Meine schrien weiter. Also erhob ich meine Stimme erneut und schrie zurück

Ruhe! Ihr seid zu laut! Schluss jetzt!

Andere Kinder wären bei dieser Lautstärke in körperliche Starre verfallen oder hätten zu weinen begonnen. Meine nicht. Meine schrien weiter.

Also hob ich die Hand um gegen einen Gegenstand zu donnern, den Schreckmoment auszunutzen und ein wenig mehr Ruhe in diese Temperamentsbolzen zu bringen.

Am hölzernen Esstisch funktioniert das wunderbar.

Die Glastür ist dafür weniger geeignet.

Beeindruckend zerborst sie in hunderte Scherben, schnitt meine Hand auf und brachte die gewünschte Ruhe in den Raum. Diese nutzte ich natürlich umgehend aus, um pädagogisch wertvolle Tipps in den Raum zu werfen:

Seht ihr nun ihr lieben Kinder, darum erlauben wir euch nicht im Wohnzimmer gegen die Glastüre zu laufen. Sie könnte dabei zerbrechen!




Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

Januar 2009
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