24
Mrz
2009

Einst & Jetzt

von Bettina

Manchmal kann das jugendliche Alter nicht darüber hinwegtäuschen, dass langsam aber doch ein Generationenwechsel stattfindet.

Der subtile Wechsel macht sich vielseitig bemerkbar. Einerseits sind da die Kinder, die man wohl getrost als die eindeutige, biologische Form eines Generationenwechsels bezeichnen kann. Aber auch im alltäglichen Leben ist es immer deutlicher spürbar.

Beim diesjährigen Familienskizirkus zum Beispiel fühlte ich mich fast schon wie Luis Trenker in “Zurück in die Zukunft V”.

Das letzte Mal stand ich vor rund 11 Jahren auf den Brettern, die den flotten Pistenabgang bedeuten.

Damals galt man als sportlich geadelt, wenn die Skier 20 cm länger als die eigene Körpergröße waren. Nur ein wirklich begnadeter Skifahrer, konnte diese Überlänge noch wedelnd die Piste runter bringen. Heute schleppen Hinz & Kunz kurze, gebogene Carverski an und rasen damit jede Piste runter, egal, ob sie es können oder nicht. Carverski bringen einfach jeden ins Tal – mal mit und mal ohne Beinbruch.

Und dann die Helmpflicht. In den 70er Jahren fuhr ich als einzige mit Helm herum. Zwangsweise Beglückung meiner Eltern, die mir beim Überstreifen des weißen Helmi-Helms lieblich zuraunten “Na du kleines, wahnsinniges Pistenschweinchen…”. Heute trägt jeder Helm – einschließlich unserer gesamten Familie. Erspart es doch das tägliche Haarewaschen, Hauben suchen & tragen, Ohrstöpsel gegen Wind verwenden und minimiert das Risiko sich bei jeder Gondelbenutzung den Kopf zu stoßen.

Kleidung allgemein hat sich sehr verändert. In meiner wilden Jugend fuhr man mit Jeans. Wenn man cool war. Und bescheuert. Die Jeans erstarrte spätestens nach dem zweiten Sturz und zurück blieb ein sehr kaltes, hartes Gefühl in der unteren Körperregion. Den Oberkörper schmückte man nicht mit wärmenden Jacken, sondern mit fünf Schichten lässiger, selbstgestrickter Pullis. Das hatte zur Folge, dass man wie ein Schaf im bunten Pulli aussah und selbst das dickste Bein, ob der überdimensionalen Pullischicht sehr schlang und grazil aussah. Heute fährt man mit Funktionssachen: Funktionsunterswäsche, Funktionsjacke, Funktionshose und Funktionssocken. Die funktionieren prima die Dinge. Allerdings bilden sich auf den Funktionsjacken keine so hübschen Schneebälle, wie auf den grobgestrickten Schafwollpullis.

Selbst das Liftfahren hat sich eklatant geändert. Wir saßen noch auf 1er oder höchstens 2er Sesselliften. Nutzen die paar Minuten für den neuesten Datenabgleich welcher männliche Pistenflitzer am besten zu verfolgen wäre. Und sangen unglaublich lustige Lieder wie “Voulez vous coucher avec moi?” in der steten Hoffnung, dass niemand außer uns auf der Piste französisch kann. Heute sitzt man mindestens in 6er Sesselliften, traut sich nichts mehr runtersingen, weil kaum noch Pisten unter den Liften sind, soviele Leute gleich rund um einen herum sind und der fremdsprachige Teil der Pistenflitzer doch stark zugenommen hat. Und es wird telefoniert. Das klassische “Schatz, bring noch eine Milch mit.” wird hier abgelöst von “Schatz, auf welcher Piste fährst du gerade?”.

Und trotzdem ist es immer wieder das großartigste Gefühl der Welt, wenn man oben steht und runterfahrt. Ob in Funktionsunterwäsche oder Schafwollpulli – egal: Zwoa Brettln, a gführiger Schnee – Juhe!



3 Kommentare zu “Einst & Jetzt”



  1. 1.    26. März 2009    02:29 Uhr

    Ich oute mich jetzt wieder einmal.

    Du hast sicher “mega-geil” ausgesehen, in deinem, eng anliegenden Ski-Dress !! :-)


    DeepBlue

  2. 2.    27. März 2009    10:24 Uhr

    Oh, wie muss ich dich enttäuschen: meine funktionale Skihose ist nicht eng sondern eher quadratisch-praktisch-gut. Was natürlich nicht ausschließt, dass ich trotzdem mega-geil (bitte ohne Anführungszeichen, sonst kann man es ja gar nicht ernst nehmen) aussah.
    :-)
    Einmal Skihaserl, immer Skihaserl


    Bettina

  3. 3.    31. März 2009    21:16 Uhr

    [...] muss zugeben, dass sich bezüglich Skifahren nicht nur das Material und die Skigebiete geändert haben – nein, an einem selbst ging die Spur der zeitlichen Veränderung natürlich auch nicht [...]


    Pappalatur » Almwelt Austria



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Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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