von Bettina
Es braucht Nachrichten wie diese, die mich aus der Versenkung auftauchen lassen. Wie ein Beamstrahl hat mich die Meldung heute förmlich an die Oberfläche gezogen und meine verschrumpelten, kleinen grauen Schreibgehirnzellen reaktiviert.
Christoph Waltz wird Österreicher
Man beachte den letzten Satz. Der bewirkt in mir einen Blutdruckanstieg ähnlich der Wirkung von 10 Dosen Red Bull. “…Er wird wahrscheinlich die Deutsche Staatsbürgerschaft behalten…”. Das, wohlgemerkt, ist keine Frage des Wollens sondern des Könnens.
Wollen täte ich es auch.
Nur können tu ich es nicht.
Ich wollte die Deutsche Staatsbürgerschaft erwerben, aber nie, nie und nimmer, nie und niemals, nie und gar nicht die Österreichische Staatsbürgerschaft abgeben. Dachte mir, das wird die Ösis aber freuen, dass so ein nettes Mädel wie die Bettina auf immer und ewig Österreicherin bleiben will. Falsch gedacht! Das ist denen wurscht!
Sollte ich für Österreich wichtig werden und etwas erfinden (O-Ton NÖ-Landesregierung) oder es zu sportlichen Erfolgen für das Land Ö bringen, dann solle ich mich nochmal melden. Nun denn – beide Züge sind wohl vor rund 25 Jahren abgefahren. Nix mit berühmt, nix mit gescheit, nix mit sportlich. Also auch nix mit zwei Staatsbürgerschaften.
Übrigens, Herr Waltz, Sie drehen gerade in München, ich wohne gerade in München. Vielleicht könnten Sie mir ein paar staatsbürgerschaftliche Tipps geben…?
von Bettina
Die Bahn und ich wir verstehen uns nicht. Wir verstanden uns noch nie gut und dennoch können wir nicht voneinander lassen. Eine Hassliebe, die einfach kein Ende findet.
Schon als Schulkind habe ich prinzipiell Züge verpasst, bin in falsche Züge eingestiegen oder bin allein schon am Kauf einer Fahrkarte gescheitert.
Wie so oft – das Leben wiederholt sich.
Gestern trat ich alleine eine große Reise an: von Offingen nach München mit der Bahn. Reguläre Fahrzeit: 1:41 Minuten. Die Nacht zuvor schon konnte ich vor Aufregung kaum schlafen.
Erste Hürde war geschafft, ich hatte nicht verschlafen. Selbst der Ticketkauf funktionierte reibungslos. Ein “Bayern-Ticket” für 28 € stolz in den Händen haltend schlief ich friedlich ein bis eine freundliche Schaffnerin Zugbegleiterin meine Fahrkarte sehen wollte.
Sie, des Bayern Ticket gilt erst ab 09.00 Uhr. Jetzt ist es aber erst 07.55 Uhr!
Schön. Mit einem Wissen mehr und einer Strafe von 40 € trat ich fröhlich die Weiterreise an.
Die Rückfahrt sollte um 13.41 Uhr beginnen. Dazwischen lag ein 2 stündiger Termin und ein kurzes Mittagessen. Perfekte Zeiteinteilung – bald würde ich meinen Kurzurlaub fortsetzen können.
Falsch gedacht. Mit dem ICE darf man nämlich auch nicht fahren, wenn man das Bayern Ticket hat. Nächster Zug 14. 33 Uhr. Dazwischen musste ich einkaufen gehen, um die Zeit totzuschlagen und nicht am Bahnhof zu randalieren. Ein Paar Stiefel später ging die Rückfahrt los.
50 Meter.
Stillstand.
Triebwerksschaden.
Nächster Zug fährt um 14.58 Uhr. Heillos überfüllt. Fenster nicht zu öffnen. Ich saß in der prallen Sonne. Nach 55 Minuten erbarmte sich ein Mitfahrer und bot mir seinen Schattenplatz an, “weil ich schon so furchtbar rot im Gesicht sei…”.
Umsteigen in Augsburg. Nächster Anschlusszug geht erst wieder in 35 Minuten. Den vorigen hatte ich um 2 Minuten verpasst, weil auf den Bahnsteigen nicht herauszufinden ist, wo und wann welche Züge wohin fahren.
Im letzten Zug meiner wunderbaren Reise saßen neben mir junge jugendliche Menschen in bierseliger Laune. Meinem Sitznachbarn war heiß. Fröhlich fächelte er sich mit seinem T-Shirt Frischluft zu und kommentierte jede Bewegung.
Puh. Mir ist heiß. Ich glaub’ ich transpirier…!
Ja mein Bester. Tust du. Und nicht gerade zu wenig. Also hör bitte auf, mir ist schon leicht schlecht…
Der junge Mann war nach der Lektion “keinen Schweißgeruch im Zug verbreiten” zwar etwas verschämt errötet, aber der Gestand reduzierte sich sogleich auf erträgliches Maß allgemein grauslicher Zugluft.
Um 17.30 Uhr war ich dann zu Hause und erfuhr sogleich, dass ich sowieso das falsche Ticket gekauft hätte. Ein Bayern-Single-Ticket hätte gereicht und wäre um 10 € billiger gewesen. Wenn auch ungültig.
Was lerne ich also daraus? Ich bin zu dumm zum Bahnfahren. Da muss man zu viel schauen und denken und eigeninitiativ sein. Weil wenn man es nicht ist, dann kostet es zu viel und dauert zu lange.
Allerdings haben mich die unglücklichen Umstände direkt zu wunderbaren Stiefeln geführt. Kann man die eigentlich der Bahn in Rechnung stellen als “zwecktherapeutische Übersprunghandlung während unplanmäßiger Wartezeit”?
von Bettina
Die Frauen sagen “Gott sei Dank, das wäre ja eh nicht gut gegangen”, die Männer sagen “Ach nein, wie schade, jetzt ist die ganze Spannung raus!”. Ein Schädelbruch vor rund 6 Monaten verleidet Schumacher doch glatt sein Formel 1 Comeback.
Schumi, das Weichei?
Schumi, der Wahnsinnige?
Schumi, der Held?
Schumi, der Feigling?
Ich weiß es nicht.
Ich rätsle nun schon seit heute morgen, als ich diese Schreckensmeldung vernahm, herum.
Ich lege mein Denken einfach mal auf einen anderen Menschen, einen nicht-Roboter, auf mich um. Hätte ich vor 6 Monaten einen Schädelbruch erlitten, hätte ich heute vermutlich auf ein paar Dinge Lust, aber kaum auf Formel 1 fahren. Ich würde vielleicht mit dem Bobby Car vorsichtige Runden in unserem Garten drehen – wohlgeschützt mit dem super sicheren Skihelm. Mein Kopf wäre mir heilig – niemand dürfte daran rumklopfen, um zu schauen, ob ich noch wach bin. Niemand dürfte mein bürstig-borstiges Haupthaar streicheln. Niemand dürfte meinen Kopf auch nur schief anschauen. Er war ja immerhin vor nicht allzu langer Zeit gebrochen – rein hypothetisch natürlich.
Schumi probierte also in diesem post-Schädel-gebrochenen Zustand das Formel 1 fahren, während ich mit dem Bobby Car hysterisch vor einer Ameise abbremse.
Warum finden Frauen alleine die Idee des Comebacks hirnrissig, während Männer sich vor Gram und Kummer winden? Und was treibt den rasenden Schumacher dazu an, nochmal Formel 1 fahren zu wollen?
Geld und Ruhm fallen weg. Irgendwann gibts einfach nicht mehr, als das was man schon hat. Die Frau – so sie nicht zu Hause aufs Erbe scharrend wartet – wird wahrscheinlich auch nicht die treibende Kraft hinter diesem Unterfangen gewesen sein.
Testosterone. Und wiedermal sind die Hormone Schuld. Ich bin mir sicher.
Was bin ich heute über meine Östrogene froh und darüber, dass mir ein rotes Bobby Car im Garten völlig ausreicht!