Ich verneige mich selten vor Menschen. Und noch seltener würde ich einen Menschen als Helden bezeichnen!
Timo B. (34) ist ein Held und ich verneige mich vor ihm und vor seinem Mut!
Timo – selbst Vater einer Tochter – hat gestern in Hamburg Lohbrügge unter Einsatz seines Lebens einen ca. zweijährigen Jungen aus den Flammen gerettet. Er ist Feuerwehrmann, da könnte man meinen, dass solche Einsätze selbstredend sind. Sind sie aber nicht, wenn es dabei um das eigene Leben geht.
Als die Feuerwehr bei dem Brand eintraf, hatte die Mutter bereits vier ihrer Kinder gerettet – nur der zweijährige Karl war eingeschlossen vom Feuer. Zwei Feuerwehrmänner mit schwerem Atemgerät gingen noch mal rein, aber nur einer kam durch die Feuerwand – Timo B. Sein Kollege schaffte es nicht mehr, da die Hitzeentwicklung schon zu groß war.
Timo holte den kleinen Jungen raus. Erst in ein paar Tagen weiß man, ob Karl sich sein schweres “Inhalationstrauma” überlebt.
Und Timo? Timo ist ein Feuerwehrmann, der nur seinen Arbeit getan hat!
Was muss das wohl für ein wunderschönes Gefühl sein, wenn man im Rahmen seiner Arbeit ein kleines Menschenleben rettet? Und wie unwichtig und nichtig scheint da plötzlich die eigene Tätigkeit, oder die Sorgen und Nöte, die einen gerade umtreiben!
Hin und wieder entspringen dem Fernsehen Sendungen, respektive Serien, die man als durchaus sehenswert einstufen kann. Umso verwunderlicher, dass es diesmal eine deutsche Produktion ist, die es verdient, gesehen zu werden.
Allein unter Bauern nennt sich die witzige, zynische und herrliche oberflächliche Unterhaltungsserie: Politiker scheitert an der großen Bundespolitik, kehrt Berlin den Rücken und geht in ein brandenburgisches Dorf, um dort als Bürgermeister den Laden in Schwung zu bringen.
Stopp! Halt! Achtung!
Wir wollen doch nicht, dass da draußen jetzt Millionen Deutscher und Österreicher hocken und glauben, dass es so ein niedliches, idyllisches Dörfchen wirklich in Brandenburg gibt. Nein – nach mehrmonatiger Recherche kann ich behaupten, es gibt solche Dörfer nicht! Die Charaktere gibt es mit Sicherheit alle: den saufenden Hartz IV Empfänger, die alleinerziehende Dorfschönheit, den einsamen Pfarrer und die geselligen Eingeborenen im Dorfwirtshaus. Allerdings möchte man die realen Personen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht kennenlernen.
Noch dazu würde in der realen brandenburgischen Welt niemand freiwillig großen Veränderungen zustimmen. Man weiß ja nie, was daraus wird. Wohlgemerkt, bei uns wird sogar seit Jahren darüber diskutiert ob – und wenn ja, wann – Straßen gebaut werden.
Man sollte diese wirklich nette Sendung also mit dem gleichen mentalen Abstand genießen, den man einhält, sobald im Kino Außerirdische sich an unsere Welt ranmachen. Also, ruhig weiterhin den Neckermann- oder TUI Katalog nach netten Sommerangeboten durchforsten - Mandy, Peggy und Konsorten sind für einen Touristenansturm in Brandenburg noch nicht vorbereitet.
Wochenlang drängt sich diese edle, schwarze, gediegene, schlichte Werbung meinem Auge auf und kündigt an: Endlich, nach Jahren des Hoffens und Bangens erreicht nun Vanity Fair auch den deutschen Markt. Hurra!
Während ich schon überlege mein langjähriges Gala-Abo zu kündigen und gleich zur Konkurrenz zu wechseln, erscheint DER SPIEGEL mit einem wunderbar bösartigen, zynischen Artikel und raubt mir sogleich ein Drittel meiner Illusionen.
Professionell wie ich bin, warte ich dennoch die erste Ausgabe ab, um mir selbst ein Urteil zu bilden – erwarte mir aber, gemessen am amerikanischen Original, Bahnbrechendes! Sensationelle Geschichten, Fotoreihen herausragender Persönlichkeiten und ein umwerfendes Cover.
Schock Nr. 1 Till Schweiger ist Titelheld. Nun denn – nicht jedermanns Geschmack (vorallem nicht meiner), aber bestimmt nett anzusehen. Dennoch bin ich so irritiert, dass ich mich gar nicht richtig dem Inhalt widmen kann.
Also zweite Ausgabe abwarten.
Schock Nr. 2 KHG (Karl Heinz Grasser) ist die Titelfigur. Nahe der Ohnmacht suche ich den Artikel und stoße auf ekeleranregende Bilder von KHG und Fiona Pacifio Griffini-Grasser.
Wer will denn bitte diesen Mann, halbnackt mit frisierten Brusthaartoupet sehen? Ist das etwa das Niveau, das Vantiy Fair in Deutschland als Maßstab setzen will?
Oder bietet der deutschsprachige Markt keine Personen und Inhalte, um mit dem amerikanischen “Mutterheft” mithalten zu können?
Das amerikanische Original ist hier glänzendes Vorbild: Man brachte Tom Cruise mitsamt Ehefrau Katie und Tochter Suri aufs Cover, im selben Jahr enttarnte man Deep Throat alias Mark Felt, die mysteriöse Quelle im Watergate Skandal. Man kann sich vorstellen, wie Poschardt erst Steinmeier zu Leibe rückt, um im Abschluss darüber nachzudenken, ob dem Verblendungszusammenhang nicht schneller im Ferrari als im Porsche zu entkommen sei. (Spiegel Online 01.02..2007)
Vielleicht ist es aber auch die Helligkeit der Redaktion, die die Redakteure und allen voran den leicht selbstverliebten Chefredakteur blendet und bislang noch kaum Raum für bahnbrechende Ideen zuließ.
Dass alles weiß ist in dieser Redaktion – Wände, Boden, Mobiliar -, das passt natürlich zur Mythologie, die das Projekt bereits hervorgebracht hat. “Vanity Fair”, das nächste Woche erscheinende Hochglanzmagazin, beschäftigt die Medienbranche wie schon lange keine Zeitschriftenneuheit mehr. (Spiegel Online 01.02.2007)
Schließlich wird in der Niels Ruf Show auch noch sehr authentisch demonstriert, wie der Redaktionsalltag aussieht aussehen könnte:
Mein Gala Abo werde ich also noch lange nicht kündigen. Dort bekomme ich wenigstens die gewünschte Oberflächlichkeit, ohne ein künstliches Glamour-Intelektuellen-Getue, dem letztendlich eh nicht Genüge getragen wird. Wenn schon Trash, dann auch richtigen!
Und wer wirklich ein Magazin der journalistischen Meisterklasse lesen möchte, der sollte noch versuchen die Sonderausgabe der TEMPO in der nächsten Trafik zu ergattern.
Bettina S., 36 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 7 und A. 5 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!