Archiv für die Kategorie 'Deutschland'

20
Jun
2008

Alles Bio, oder was?

von Bettina

Im Grunde genommen liegt mir ja recht viel an meiner Familie und ihrem leiblichen Wohlergehen. Also versuche ich den gängigen Medien Glauben zu schenken und ernähre uns nicht nur von Fast-Junk-Fett-Food, sondern zaubere (fast) tagtäglich wohlschmeckende, frisch gekochte Speisen auf den Tisch.

Selbst bei der Auswahl der Zutaten bin ich kritisch: Äpfel aus China oder Trauben aus Argentinien kommen nicht auf unseren Tisch. Jeder Saison ihr Gemüse und Obst und alles wenn möglich aus der nächsten Umgebung oder zumindest den heimischen Landen.

In Supermärkten kaufe ich immer die Bio-Produkte, wohlwissentlich, dass die mit Bio nicht wirklich sonderlich viel am Hut haben. Es ist aber stärkt aber mein gutes Gewissen gegenüber Ökologie, Globalisierung, Weltfrieden und guter Kindererziehung und es sieht so verdammt sophisticated aus, wenn sich im Einkaufswagerl nur Bio-Produkte türmen, während das gemeine Fußvolk von nebenan die ganz gewöhnlichen Billigprodukte vor sich herschiebt.

Heute überkam mich dann die grenzenlos gutmenschliche Idee und ich wollte die Zutaten für unser heutiges Abendessen im Bio-Vollwert-Supertoll-Supermarkt kaufen:

  • 1 Creme-Fraiche
  • 400 Gramm Hühnerbrust
  • 3 bunte Paprika
  • 1 Salat

Schlechte Idee.

Musste doch die Familie am Abend bei Brot und Wasser darben, weil die Hausfrau zu geizig war, umgerechnet 28,90 € für ein Kilo Hühnerbrüstchen zu zahlen. Geschweige denn acht Euro für die restlichen drei Zutaten.

Mein Vorsatz, ab sofort nur noch in Bio-bio-bio-Läden einkaufen zu gehen war dadurch sehr schnell wieder von meiner Lebens-to-do-Liste gestrichen.

Der Kummer währte allerdings nicht lange. Stellte ich doch schon sehr bald fest, dass die biologischen Begleiterscheinungen wie Birkenstock und Selbstgestricktes eh nicht zu meiner Sommergarderobe gepasst hätten.




10
Mai
2008

Blasen

von Bettina

Gestern, um Mitternacht, irgendwo in München.

Ein freundlicher Mann in Uniform winkt mich an den Straßenrand.

Polizist: “Guten Abend, Fahrzeugkontrolle. Woher kommen Sie?”

Ich: “Hallo. Ich komme aus dem – äh – hm – äh, ah ja aus dem Florida!”

P: “??? Aus welchem Satdtteil meine ich. Kommen Sie aus der Innenstadt?”

Ich: “Nun – puh – keine Ahnung, ich denke es ist in Schwabing?! Ha, jetzt fällts mir ein – in der Georgenstraße 48!”

P: “Aha! Haben Sie was getrunken?”

Ich: “Ja, ein Glas guten Rotwein!”

Ohne es wirklich zu wollen beginne ich zu lachen.

P: “Fahren Sie bitte dort ran, und kommen Sie mit ihren Führerschein und dem Fahrzeugschein zu mir!”

Schön langsam dämmert mir, dass ich ein wenig seltsam wirken muss. So eine Mischung zwischen betrunken, bekifft oder naturtrüb. Und dazu dann noch dieser Befehlston in Uniform. Sehr “lustig”. Leider entwickelt mein Zwerchfell in solchen Momenten ein unkontrollierbares Eigenleben.

P: “Blasen Sie bitte da rein, bis ich Stopp sage!”

Kicher, kicher, kicher

P: “Alles klar?”

Ich (kicher): “Ja, ja – ich habe das nur noch nie machen müssen.”

Inbrünstigst blase ich in dieses Kästchen und bin sehr enttäuscht wie leicht das geht. Im Fernsehen hat man immer den Eindruck, dass in den nächsten Sekunden ein Lungenkollaps droht…

P: “Stopp! OK – Danke! Gute Heimfahrt Frau S.”

Ich bleibe stehen und starre auf das Gerät – kichernd.

P: “Ist noch was?”

Ich: “Ja, ich hätte gerne gewußt wieviel ich habe!”

P: “??? 0,12 Promille”

Ich: “Aha – interessant.”

P: “Sonst noch Fragen oder Wünsche?”

Ich: “Nein das wäre es dann! Danke und schöne Nacht noch.”

P: “Danke. Und ihnen noch viel Spaß – aber den haben SIE bestimmt…”

Tja – irgendwie bin ich froh, dass er mich zu keinem Drogenscreening mitgenommen hat. Sehr berauschend so eine blasende Verkehrskontrolle…




08
Mai
2008

Die reiche Gefahr

von Bettina

München ist eine reiche Stadt.

Das merkt man schon an der Müllabfuhr. Woche für Woche flanieren orangegewandete Männer in Horden durch die Straßen, stellen Mülltonnen aller Art bereit und warten darauf, dass einige Zeit später der Müllwagen die Reste der Bewohner entleert. In Brandenburg funktionierte dieses Prozedere mit einem vollautomatisierten Müllwagen mit Ein-Mann-Besatzung und wenn die Mülltonne nicht korrekt ausgerichtet am Straßenrand stand, dann hatte man eben Pech und musste 14 Tage auf die neue Entleerung warten.

Auch die Münchner Verkehrsbetriebe lassen einen vermuten, dass München nicht vor Geldsorgen erdrückt wird. Ein paar Wochen nach Neuzuzug in die bayrische Metropole erhält man eine Mappe randvoll mit Infos rund um das Münchner Verkehrswesen. Zusätzliches Infomaterial fordert man dann gratis an und ertrinkt sodann in U- und S-Bahn Plänen, in Ratgebern für Reisen mit der Bahn ins Umland, Rundfahrten in der Stadt, etc.pp. Zusätzlich erhält man noch für eine beliebige Woche eine Gratis-Wochenkarte für alle Öffis für den Großraum München. An eine herzliche Begrüßung von auch nur irgendjemanden in Brandenburg kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern.

Der zur Schau gestellte Reichtum der Münchner ist allerdings nicht immer so erfreulich. Ein wirklich ernst zu nehmendes Problem sind die Fahrzeuge der Münchner.
Entweder sind es Porsche, Ferrari, Maserati & Co, was zur Folge hat, dass man entweder flotten Schrittes die Straße überquert, oder Pech gehabt hat. Noch dazu sind Fahrer dieser Fahrzeuge prinzipiell unattraktiv, entsetzlich gekleidet und vermutlich auch impotent.
Am schlimmsten aber sind die Geländewagenfahrer, die mit ihrem Auto vermutlich noch nie einen Berg erklommen haben, dafür täglich die penibel asphaltierten Straßen der Villenviertel zum 200 Meter entfernt liegenden Bahnhof fahren.
Diese Autos sind so geräuscharm, dass man ihr Annähern von Hinten selten rechtzeitig bemerkt. Autos in Berlin & Umgebung röhren meistens. Oder scheppern. Oder Bremsen quietschen. Oder alles zusammen. Auf jeden Fall geben sie autospezifische Geräusche von sich, sodass man rechtzeitig weiß “Oh, Fahrzeug, Achtung, auf die Seite…”.

In München ist es bei dieser Erkenntnis meist schon zu spät. Was beim Gehen gerade noch an spontaner Bremsung möglich ist, wird beim Joggen ein wahres Abenteuer. Mittlerweile klopft mein Herz beim Laufen stärker wegen der Autos, als wegen meiner Anstrengung. Sehr bedenklich.

Seit gestern schleiche ich also nachts durch die Straßen und binde an die Autos hinten leere Blechdosen ran. Das sollte Abhilfe schaffen.

Tipps für Dosenrezepte oder Besitzer von wahnsinnig vielen leeren Dosen wenden sich bitte an: bettina[at]pappalatur[punkt]at.

Ich brauche wohl noch viele Dosen.




Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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