Archiv für die Kategorie 'Kinder'

31
Mrz
2009

Musik liegt in der Luft

von Bettina

Heute wollen wir uns mal meinem musikalischen Kindheitstraumata widmen:

Als ich zarte sieben Jahre alt war und meine Schwester 10 reife Lenze zählte, setzte sie den Wunsch durch, Klarinette lernen zu dürfen. Bis heute vermute ich, es war eine rein pädagogische Maßnahme meiner Eltern gegenüber uns kleinen Geschwistern. Quasi eine pauschale Rundumbestrafung für die vorangegangenen Jahre.

Je näher die wöchentliche Klarinettenstunde rückte, desto vehementer wurden das Drängen meiner Mutter, sie solle nun endlich üben. Wenn meine Schwester dann nachgab, beglückte uns letztendlich ein maulendes, schimpfendes Kind mit Klarinette im Mund. Sie blies hinein. Es krächzte und quietschte. Sie fluchte noch lauter und noch mehr. Sie bezog in das Fluchen die Lehrerin mit ein und die ganze Welt sowieso. Jeder Übungsversuch endete mit dem Debakel eines zerrissenen Blättchens, dass quer durch den Raum gefetzt wurde. Spätestens dann kapitulierte meine Mutter und erlöste uns alle vom Klarinettenspiel der großen Schwester. Das Übern der Töne c-d-e-f-g-a durften wir komplett miterleben, als das h zum Erlernen nahte, wurde der Musikkurs für meine Schwester ersatzlos gestrichen. Ich vermute mal es hing mit den Protesten der Anwohner und dem gehäuften Auftreten randalierender Tiere mit feinem Gehör zusammen.

Ich selbst bezeichne mich durchaus als musikalisch. Ich kann drei Instrumente spielen. Flog noch nie aus einem der zahlreichen Chöre raus und kann auch in der Öffentlichkeit hemmungslos Lieder trällern, ohne mich am nächsten Tag – im nüchternen Zustand – dafür genieren zu müssen.

Ich gehe also davon aus, dass ich kleine Mozarts gezeugt habe.

Besser gesagt, ich ging davon aus.

Denn jetzt lernt P. Blockflöte. Das heißt P. befördert in die Flöte mehr Spucke als Luft hinein und heraus kommen Töne, die man durchaus als räudige Walgesänge bezeichnen kann. P. mault mindestens 20 Minuten rum, bevor er 2 Minuten übt. A. flüchtet mittlerweile, wenn P. die Flötentasche holt.

P. ist manchmal die Reinkarnation meiner Schwester.

Wenn wir das nächste mal nach Österreich fahren, schmuggle ich heimlich die Blockflöte in die Wohnung meiner Schwester.  Ich besteche P. ausgiebig und versperre dann die Tür von außen, sodass er mindestens eine Stunde lang seine Tante mit Flötenspiel beglücken kann.

Späte Rache ist eine schöne Rache!




25
Feb
2009

Unlustig.

von Bettina

Es ist kurz vor Mittag und ich betrete eine von Milliarden Metzgereien in Bayern. Anstelle vertrautem Wurstgeruchs schlägt mir der Geruch frischer Krapfen entgegen. Befremdlich. Eben noch in wurstiger Fleischlaune verlangt mein Körper plötzlich nach Kaffee und Faschingskrapfen. Noch bevor ich allerdings meinen Wunsch äußern kann, trötet mir von links ein selten lustiger Mensch mit einer noch lustigeren Tröte lustig in mein Ohr. Nach starren 10 Schrecksekunden bermerke ich den Attentäter – es ist eine mittelalterliche Frau mit einem lustigen Hütchen am Kopf und einer Tröte in der Hand.

Zeitgleich mit ihrem Fortgehen betreten drei Kinder den Verkaufsraum. Vollverkleidung. Kostümiert vom Kopf bis zur Zeh. Dargeboten wird eine Prinzessin mit geschätzten 20 Kilo Übergewicht, ein Zorro mit zwei Zahnlücken und ein an und für sich undefinierbar verkleideter Junge, der aber aufgrund seiner Pistolenschwenkerei durchaus als Cowboy gelten kann. Die Erwachsenen glotzen beglückt und beglückwünschen die Kinder ob ihrer kreativen Verkleidung.

In mir rebelliert es. Das ist nicht kreativ. Das ist langweilig. Kreativ wäre das Mädchen verkleidet als Heidi Klum oder der Zahnlückenjunge als Zahnarzt. Pistolenjohnny war wohl schon am passendsten verkleidet – vermute ich mal.

Ich bin an der Reihe. Die Bedienung fragt mich nach meinem Wunsche. Da erblicke ich auf ihrer Nase eine lustige, rote Plastiknase. Ich muss feststellen, dass alle Verkäufer rote Clownsnasen tragen. Ich bin fassungslos. Vergesse mein Anliegen und stammle nur “oh, nein, vergessen, Danke, Auf Wiedersehen”.

Ich wanke nach draußen. Hole tief Luft und schäme mich meiner Unlustigkeit.

Dann fahre ich zum Kindergarten und hole Ritter und Clown ab.




03
Feb
2009

Mutter

von Bettina

Die Benennung des weiblichen, gebärenden Wesens durch sein Kind ist sehr vielfältig.

Ich selbst nutzte in meinen Kindheitstagen den Namen “Mutti”. Eine sehr beliebte Bezeichnung im Österreich der 70er Jahre.

Jahre zogen ins Land und die Kinder werden moderner. Heutzutage wird man “Mama” gerufen, wobei die Intonation stehts nach Feueralarm klingt “Mamaaaaaaaaaaaaaaaaaaa”. Coole Teenies schleudern ihren uncoolen Müttern meistens ein “Mum” entgegen. Und erwachsene Pseudointellektuelle stellen ihre Gebärmaschine aus längst vergangenen Tagen sehr nüchtern als “meine Mutter” vor, was immer ein wenig so klingt wie “mein Staubsauger”.

Alles ist vertretbar.

Alles, bis auf “Mami”.

Mami ist hinterlistig und falsch. Hinter Mami steckt immer der Wunsch nach etwas Unerlaubten. Es fängt an mit Süssigkeiten und endet bei der Falschaussage gegenüber der Polizei. “Mamiiiiiiii, nur das einemal. Bitte!!! Ja???”

Aber selbst das ist noch vertretbar. Irgendwie. Spiegelt es doch die geistige Reife des Kinders wieder, auf friedliche Art und Weise seine Wünsche und seinen Willen durchzusetzen.

Wird hingegen das Wort “Mami” von Erwachsenen über Erwachsene in den Mund genommen, dann heulen die Alarmsirenen los.

“Das ist die Mami von P. und A.” Nein bin ich nicht. Ich bin die Mutter.

“Wir Mamis müssen zusammen halten.” Nein, müssen wir nicht. Ihr Mamis haltet zusammen und wir Mütter lästern dann über euch.

“Mami zu sein ist so wunderbar!” Nein, ist es nicht. Wir Mütter finden es manchmal auch einfach furchtbar nervend und anstrengend und blöd.

Und so muttere ich, Erzeugerin, Produzentin und Erzieherin von P. und A., also völlig mamifrei durchs Leben und warte tagtäglich darauf, dass Papiiii nach Hause kommt!




Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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