Archiv für die Kategorie 'Kinder'

26
Jun
2007

…und jetzt wieder da!

von Bettina

Um unsere unerschütterliche Spontanität unter Beweis zu stellen, beschlossen wir an unserem Abreisetag völlig spontan, doch nicht in die Südsee zu fliegen, sondern unseren Urlaub auf Sardinien zu verbringen! Hach, was sind wir doch für eine flexible, jung gebliebene, draufgängerische Familie!

Wer mehr über Sardinien wissen möchte, der soll bitte einen Reiseführer lesen. Aber nicht den von Eberhard, sonst findet man jedes zweite Ziel nicht, wird in Dörfer geschickt, die schlichtweg grausig sind und wird von Dörfern bewußt ferngehalten, die kleine Juwele auf der Insel sind.

Unser Urlaub war voller netter, wichtiger und unwichtiger Details:

  • Das erste unwichtige Detail erfuhren wir schon im Flugzeug, als die dauerlächelnde Stewardess Flugbegleiterin von EasyJet uns mit dem Tonfall eines geldgierigen Autoverkäufers exklusive Funcards anpries. 1,50 € und man hat die Chance 20.000 Pfund zu gewinnen – falls nicht, dann hätte man ja wenigstens einen lustigen Zeitvertreib beim Felder Freirubbeln…
  • Dass sardische Städte prinzipiell nicht gut beschildert sind, erfuhren wir schon nach 10 Minuten Autofahrt.
  • Ein Geburstag auf Sardinien fühlt sich komischerweise genauso an, wie in Österreich oder Deutschland. Man wird einfach älter. Mit dem Unterschied, dass man keine zahlreichen, großen, schweren, wertvollen Geschenke erhält – sehr zur Verwunderung von A.: “Oh, hepi bösde – wo Mama Schenke???”
  • Der Scirocco zaubert an Sardiniens Ostküste oft bizarre Wetterverhältnisse. Am Strand bewölkt und stürmisch und nur fünf Kilometer landeinwärts heiß und windstill. Mit wetterfroschähnlichem Gespür fanden wir täglich das passende Wetter für unser Unternehmungen.
  • Es dürfte einige Zeit dauern, bis wir den Größenwahn bei A. wieder rauskriegen. Er hörte 15 Tage lang ausschließlich: “Oh, bella bionda! Amore!” begleitet mir Küsschen geben, die blonden Haare streicheln und Süssigkeiten bekommen.
  • Wir hatten ein sehr einsam gelegenes Ferienhaus. Inmitten eines großen Tales. Dort gabe es viele Tiere – auch Hunde. Nach 15 Nächten in diesem Ferienhaus kann ich heulen wie ein Hund, miauen wie eine Katze – nur das Fliegen wie die Fledermaus, das konnte ich in so kurzer Zeit leider nicht erlernen.
  • P. hat zur Zeit den Mut und das Temperament eines testosterongesteuerten Gorillas. Ein Krebs mit den Maßen 1 x 1 cm bringt ihn allerdings in 0,00001 Sekunden aus dem Wasser.
  • Der Lärmpegel in Sardinien ist sehr hoch. Zumindest der, der sprechenden Menschen. Ich habe mich so wohl gefühlt wie schon lange nicht mehr. Endlich war ich nicht die am lautesten schreiende Mutter und unsere Kinder konnte man mit einem beruhigenden Gefühl als durchschnittlich laut bezeichnen.

Das Urlaubsgefühl erfuhr heute um 09.54 Uhr, beim Milchregal im ortsansässigen Supermarkt ein jähes Ende, als eine mittelalterliche Frau zu A.’s wiederholtem Hallo-Gerufe meinte: “Pst! Nicht so laut. Pst! Du kannst doch nicht so laut reden.”

Doch, kann er.

Es findet nur leider nicht jeder so niedlich, wie die Sarden!




06
Jun
2007

Leere Versprechungen

von Bettina

Jahrzehntelang wurde ich in emotionalen Tiefphasen mit verschiedenen Versprechungen getröstet:

  1. Wenn du erstmal Kinder hast, dann hat dein Leben einen jeden Tag einen wunderbaren Sinn.
  2. Wenn du erstmal Kinder hast, dann entdeckst du jeden Tag entzückende Dinge an ihnen.
  3. Wenn du erstmal Kinder hast, dann sehnst du dich erst gar nicht mehr nach deinem alten Leben zurück.
  4. Wenn du erstmal Kinder hast, dann wird dir ihre lebenslange Liebe sicher sein!

Ad 1. Sinn – Ja, wunderbar – it depends on the day

Ad 2. Ist die Tatsache, dass A. im niedlichen Alter von 10 Monaten versucht hat die körperlichen Ausscheidungen von P. zu essen, ein entzückendes Ding?

Ad 3. Den Verbreiter diesen unglaublichen Unwahrheit würde ich gerne nochmal treffen!

Ad 4. Da versprach man mir ja auch immer, wenn du Söhne hast, dann wollen die dich irgendwann unbedingt heiraten – frei nach dem Motto “keine ist so gut wie Mama”. Schallt mir da doch heute von der Rückbank des Autos entgegen:

“Duhu, Mamaaa, weißt du wen ich mal heirate, wenn ich groß bin?”

“Nein mein Engelchen, wen denn?” (flöt – ich weiß, wen du meinst – flöt – deine Mama ist halt unersetzbar – flöt)

“Die Nele!”

Rumms!

Und wo bitte erfüllt sich für den heutigen Tag dann Punkt 1???

Undankbare, grausame, kleine Kinder!




23
Mai
2007

Falsche Freunde

von Bettina

P. ist im Alter des Freunde finden angekommen. Finde ich ja an sich gut, denn wer möchte schon ein sozial völlig inkompatibles Kind zu Hause sitzen haben? Dieses Freunde finden bringt aber auch so manche Schwierigkeiten mit sich. Die heißen meistens Eltern!

P. findet zum Beispiel Tschuliän ganz toll. Ob der Charakter des Kindes ihn fasziniert oder der Trettraktor im Garten sei dahingestellt. Auf jeden möchte er jeden Tag, wenn wir dort vorbeigehen, den Tschuliän besuchen. Wäre da nicht der Opa von dem Kleinen. Der Opa ist nett, er steht nur immer in Unterhosen und sonst nix im Garten rum.

Dschanin ist auch so eine Kandidatin. Das Mädchen selber wäre ja noch duldbar, aber die Eltern überfordern meine menschliche Toleranzgrenze. Das wurde mir spätestens klar, als die Mutter mir in trauter Spielplatzrunde erklärte, dass ihr 18jähriger Sohn in der S-Bahn die Sitzbänke aufgeschlitzt hätte. “Die Jugend von heute ist nun mal so – was soll man denn da machen?”. Meine Antwort “Nun ja, links und rechts eine Watschn wäre vielleicht angebracht!?” fand sie nicht ganz so witzig.

Dann wäre da auch noch Nömi. Allerdings praktiziert der Vater einen unaufhörlichen Wettbewerb im Tollsein. Frei nach dem Motto “mein Haus, mein Motorboot, mein Sportwagen” fordert er mich täglich zum Wettkampf auf und mir fallen nach einem halben Jahr schön langsam keine wirkungsvollen Lügen mehr ein. Denn mittlerweile war ich schon in Valencia mit dem Alinghi-Team essen, ich war zum Shoppen in New York, mein Personal Trainer kommt jeden Tag zu mir nach Hause, weil ich Fitnessstudios nicht mag und unser Kindermädchen hat lustigerweise immer dann frei, wenn ich ihn am Spielplatz treffe.

Was mache ich bloß? P. soll ja nicht so ein arschbackiges, langweiliges Kind werden, nur weil die Mutter jegliche zwischenmenschlichen Kontakte verbietet.

gummipuppe.jpg

Ich habe ihm jetzt eine Puppe bestellt. Der werden wir einen Namen geben und sie feierlich in unserer toleranten Familie aufnehmen.




Besitzerin

Bettina S., 36 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 7 und A. 5 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

September 2010
M D M D F S S
« Aug    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Shop

Pappalatur-Shop

Kategorien

Wer ist da ?