Archiv für die Kategorie 'Privat'

03
Feb
2009

Mutter

von Bettina

Die Benennung des weiblichen, gebärenden Wesens durch sein Kind ist sehr vielfältig.

Ich selbst nutzte in meinen Kindheitstagen den Namen “Mutti”. Eine sehr beliebte Bezeichnung im Österreich der 70er Jahre.

Jahre zogen ins Land und die Kinder werden moderner. Heutzutage wird man “Mama” gerufen, wobei die Intonation stehts nach Feueralarm klingt “Mamaaaaaaaaaaaaaaaaaaa”. Coole Teenies schleudern ihren uncoolen Müttern meistens ein “Mum” entgegen. Und erwachsene Pseudointellektuelle stellen ihre Gebärmaschine aus längst vergangenen Tagen sehr nüchtern als “meine Mutter” vor, was immer ein wenig so klingt wie “mein Staubsauger”.

Alles ist vertretbar.

Alles, bis auf “Mami”.

Mami ist hinterlistig und falsch. Hinter Mami steckt immer der Wunsch nach etwas Unerlaubten. Es fängt an mit Süssigkeiten und endet bei der Falschaussage gegenüber der Polizei. “Mamiiiiiiii, nur das einemal. Bitte!!! Ja???”

Aber selbst das ist noch vertretbar. Irgendwie. Spiegelt es doch die geistige Reife des Kinders wieder, auf friedliche Art und Weise seine Wünsche und seinen Willen durchzusetzen.

Wird hingegen das Wort “Mami” von Erwachsenen über Erwachsene in den Mund genommen, dann heulen die Alarmsirenen los.

“Das ist die Mami von P. und A.” Nein bin ich nicht. Ich bin die Mutter.

“Wir Mamis müssen zusammen halten.” Nein, müssen wir nicht. Ihr Mamis haltet zusammen und wir Mütter lästern dann über euch.

“Mami zu sein ist so wunderbar!” Nein, ist es nicht. Wir Mütter finden es manchmal auch einfach furchtbar nervend und anstrengend und blöd.

Und so muttere ich, Erzeugerin, Produzentin und Erzieherin von P. und A., also völlig mamifrei durchs Leben und warte tagtäglich darauf, dass Papiiii nach Hause kommt!




25
Dez
2008

Oh du fröhliche…

von Bettina

23. Dezember, 13:34 Uhr, Supermarkt in Deutschland.

Das Handy einer mir unbekannten Frau klingelt.

Frau: Ja Hallo?

Handy: …

Frau: Du hast was?

Handy: …

Frau: Nochmal: Du hast den Postboten versäumt???!!!

(Die Stimme der Dame kippt unüberhörbar ins leicht hysterische)

Handy: …

Frau: Du solltest Dich um eine einzige Sache kümmern. Um EINE EINZIGE! Du solltest nur den Postboten abpassen, damit Du das Päckchen entgegen nehmen kannst. EINE EINZIGE Aufgabe für die ganze Weihnachtsvorbereitung!
(Das Brüllen wird immer lauter und vor meinem inneren Auge schrumpft der Mann zu Hause auf Gartenzwerggröße).
Hast du eine Ahnung wie lange man am 24. Dezember bei der Post anstehen muss, um ein Päckchen abzuholen. Ich habe ja sonst nichts zu tun.

Das Gespräch wird seitens der Frau eindrücklich beendet. Wutentbrannt und knallrot im Gesicht wendet sich dieses arme weihnachtsvorbereitende Familienchristkind an eine Heerschar anonymer Einkäufer und brüllt in der gleich Lautstärke weiter:

“Er sollte nur zu Hause auf den Postboten warten. Nur die eine Stunde die ich beim Einkaufen bin! Und was macht er? Er holt sich bloß mal schnell eine Zeitung vom Kiosk. BLOSS MAL SCHNELL. Ja wie lange glaubt er denn dass ein Postbote braucht, um ein Paket abzugeben? Drei Stunden? Ist ja nicht jeder so langsam wie ER!!!”

Stille im Supermarkt. Betretenes Schweigen. Einige Frauen nicken sehr verständnisvoll. Einige Männer schauen verstört und beschämt und vermutlich auch verängstigt auf den Boden.

In dieser Familie wurde an diesem Tag wohl kaum das Lied “Oh du fröhliche” angestimmt.




21
Dez
2008

Frauengespräch

von Bettina

X: Hallo. Gut schaust Du aus!

Y: Danke, Du auch. Schön, dass wir uns mal wieder sehen.

X: Stell Dir vor am Weg hierher habe ich doch glatt einen Typen gesehen, der hatte eine Rose auf dem Kopf eintätowiert. Das sah so was von furchtbar aus. Und vor allem hat sein Schal von der Farbe her gar nicht zu der Tätowierung gepasst.

Y: Ih – das ist ja grauslich. Die Rosen von dem Blumenhändler da drüben sind übrigens die schönsten der Stadt. Kennst Du eigentlich den Film “Rosenbett” mit Christian Slater?

X: Ahhhh – ja der ist so wunderbar romantisch und die Wohnung von dem…! Der absolute Traum. Und erst der Dachgarten. Wenn mir ein Mann mit so einer Wohnung einen Heiratsantrag macht, dann heirate ich den auch wenn er aussieht wie Quasimodo.

Y: Wollen wir was essen, oder nur trinken?

X: Beides. Übrigens wenn Du wirklich mal heiraten willst, dann kenne ich eine super Location für die Feier. Da könnten wir auch so mal hingehen. Echt nett dort.

Y: Oh, da könnte ich dann mein rotes neues Kleid ausführen. Ich habe heute mein absolutes Lieblingskleid im Trockner leider auf T-Shirt Größe geschrumpft. Grausam. Vor allem, weil meine schwarzen Schuhe da so gut dazu gepasst haben.

X: Oh Du Arme. Du hast mein Mitgefühl. Wie lief eigentlich Dein Gespräch letzte Woche in der Arbeit?

To be continued…




Besitzerin

Bettina S., 33 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 6 und A. 4 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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