12
Mai
2009

Fetisch

von Bettina

Rein, raus, Mickey Mouse!

Gehen wir mal davon aus, dass knapp 70 % den Geschlechtsverkehr in der klassischen Missionarsstellung bevorzugen. Dann bleiben 30 % über, die es gerne weniger gewöhnlich haben. Lässt man mal alle üblichen, unüblichen und halsbrecherischen Stellungen außen vor, dann bleibt da ja noch der überaus vielseitige Fetisch.

Die sexuelle Spielwiese in diesem Bereich ist vermutlich so vielfältig, wie die Anzahl unterschiedlicher Pflanzen auf einer Blumenwiese.

Den Einen törnt das Plastiksackerl über den Kopf gestülpt an, Andere wiederum gewanden sich gerne in Lack und Leder, manche lassen sich fesseln und peitschen oder werden gefesselt und gepeitscht. Sogar die Tierwelt wird miteinbezogen, berichtete letztens eine Domina aus St. Pauli, denn einer ihrer Kunden wird gerne wie ein Hund Gassi geführt – vor den Augen erstaunter Mitmenschen. Babyspielen mit Windel anziehen und Fläschchen trinken bereitet manchen Herren der Schöpfung wohl auch erregende Freude.

Nun ja. Jeder wie er mag. Irgendwie sind diese Geschichten aber auch schon langweilig und abgedroschen. Zu oft schon sah man eine Dokumentation über die verruchten Gassen auf St. Pauli und wusste schnell über sämtliche sexuellen Vorlieben sämtlicher Männlein und Weiblein Bescheid.

Langweilig. Nichts Neues.

Bis heute. Endlich habe ich einen neuen Fetisch entdeckt. Einer, mit dem sogar ich etwas anfangen kann. Wärmend, individuell, bunt und vor allem völlig autark selbst angefertigt – der Strick-Fetisch:

Fetisch

Weitere, nicht minder aufregende Modelle, findet man im Strickfetischforum – leider nur in französischer  (Sprache!), aber wer will denn da auch schon etwas lesen…

Strickbestellungen nehme ich gerne unter bettina[at}pappalatur[punkt]at an – Ganzkörperanzüge dauern vermutlich 4 Monate bis Fertigstellung! Strickhäubchen für kleinere Körperteile dauern ja nach Größe einen bis drei Tage.



09
Mai
2009

Kreisklasse A männlich Ost

von Bettina

Wenn man am Münchner Stadtrand wohnt. Mitten in Bayern. Dann stolpert man meistens über dieselben Dinge:

Schweinsbraten, Brezen, Bier, Schnauzbärte, Biergärten, Dirndl & Lederhosen…

Heute stolperten wir über den stadtteileigenen Fußballplatz. Kreisklassespiel gegen den Nachbarstadtteil.

Fußball in Reinkultur. Da wird wirklich noch gerannt, getreten, geflucht.

Der Trainer am Spielrand reflektiert lautstark über die intimsten Schwächen seiner Schützlinge “Sepp, trau dich endlich. Sei nicht so schüchtern. Du musst da ran. Erfolgserlebnis brauchst du endlich…”.

Einzelne Spieler durften nach der Halbzeit pausieren, um nach ca. 20 Minuten wieder ins Spiel zurückzukehren. Was ob der Leibesfülle vermutlich mit einer kleinen Zwischenstärkung in Form eines Schnitzels zu tun hat.

Und für Verletzung musste kein schön gefönter Müller-Wohlfahrt her. Nein, die Frage vom Spielfeldrand “Brauchst die Trinkflasche oder den Vereisungspray?” genügte vollkommen. Selbst der schlimmste Knöcheltritt wurde so in Sekundenschnelle geheilt.

Da soll noch mal einer sagen, dass heutzutage alles nur noch perfekt und übertrieben ist. Derjenige war schon lange nicht mehr auf einem kleinen, aber feinen Fußballplatz!



22
Apr
2009

Post

von Bettina

Als Kind saß ich unter dem Schreibtisch meines Großvaters auf dem  Postamt und sah dem lustigen Treiben begeistert zu. Ein ständiges Kommen und Gehen. Briefe ohne Ende, freundliche Schalterbeamte, jeder Kunde wurde gekannt und zahlreiche Kundschaft, die sich zum Telefonieren in eine kleine gläserne Kabine zurückzog und Gespräche in die große weite Welt anmeldete.

Die antiken Zeiten sind vorbei – einiges hat sich geändert.

Spätestens als ich selbst in die große weite Welt zog, wurde mir klar, dass nicht jeder Schalterbeamte jeden Kunden kennt, sondern dass das durchaus als dörfliches Phänomen zu bezeichnen ist. Auch das Kommen und Gehen hat sich einigermaßen verändert. Heute ist es eher ein Stehen und Warten bis man an den heißbegehrten Schalter vorrücken darf, um sein Anliegen vorzutragen.

Aber selbst dann ist noch nicht gewährleistet, dass wirklich freundliche Schalterbeamte auch wirklich engagiert und fachlich wissend einem weiterhelfen wollen. Manchmal ist das fehlende Wollen durchaus auch ein mangelndes Können.

Letztens zum Beispiel widerfuhr mir doch wirklich etwas sehr Lustiges. Eine Benachrichtigung lag im Briefkasten – ich möge mir doch bitte einen Wertbrief bei Postamt XYZ abholen. Nein, leider kein Erbschein der verblichenen Erbtante, sondern dringend benötigte Bahntickets.

Tapfer stellte ich mich beim Postschalter im Supermarkt – auch so eine neumodische Entwicklung – an. Nach geraumen 15 Minuten war ich auch schon dran, legte meinen Abholschein hin und sah sogleich in ein ratloses Gesicht:

“Aber wir dürfen keine Wertbriefe aushändigen!”

“??? Wie bitte? Aber ich habe hier doch den Abholschein, dass ich den Brief hier bei ihnen abholen soll?!”

“Da hat wohl der Postbote den falschen Schein eingeworfen, bei uns dürfen wir das nicht. Moment – ich seh mal nach, ob der Brief überhaupt da ist. …… Ja, da ist er ja.”

“Schön, dann kann ich ihn ja mitnehmen?”

“Nein, den darf ich ihnen nicht aushändigen.”

“Wie? Der Brief liegt 5 Zentimeter vor mir und sie dürfen ihn mir nicht geben? Wie krieg ich ihn denn dann?”

Die zwei Postbeamtinnen beraten sich intensiv und mehr verwirrt als wissend.

„Also, der Brief wird in ein anderes Postamt geschickt und da können sie ihn dann morgen abholen.”

„Das ist mir zu gefährlich. Da sind Bahntickets für übermorgen drinnen.”

„Oh! Das ist ja was. Na dann ruf ich mal wo an.”

Eine Postbeamtin telefoniert und die Kollegin hängt wie verzaubert an ihren Lippen, während Kundschaft um Kundschaft hinter mir ansteht. 20 Minuten und viele eingeworfene „Aber das versteh ich jetzt nicht…” später erstrahlt vor mir die Postbeamtin des Supermarktes und verkündet:

„Na gut, wenn die es so wollen, dann stelle ich ihnen den Wertbrief eben als Einschreiben aus.”

Nach über 40 Minuten zog ich glücklich von dannen. Meine Bahntickets in der Hand haltend ging ich an einer etwa 30 Meter langen Warteschlange vorbei, als ich vom Schalter den stimmlichen Schalmeienklang der Schalterbeamtin vernahm

„Tut mir leid. Jetzt ist es 12.00 Uhr. Der Schalter wird für eine Stunde Mittagspause geschlossen.”



Besitzerin

Bettina S., 36 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 7 und A. 5 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!

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