von Bettina
Heute wollen wir uns mal meinem musikalischen Kindheitstraumata widmen:
Als ich zarte sieben Jahre alt war und meine Schwester 10 reife Lenze zählte, setzte sie den Wunsch durch, Klarinette lernen zu dürfen. Bis heute vermute ich, es war eine rein pädagogische Maßnahme meiner Eltern gegenüber uns kleinen Geschwistern. Quasi eine pauschale Rundumbestrafung für die vorangegangenen Jahre.
Je näher die wöchentliche Klarinettenstunde rückte, desto vehementer wurden das Drängen meiner Mutter, sie solle nun endlich üben. Wenn meine Schwester dann nachgab, beglückte uns letztendlich ein maulendes, schimpfendes Kind mit Klarinette im Mund. Sie blies hinein. Es krächzte und quietschte. Sie fluchte noch lauter und noch mehr. Sie bezog in das Fluchen die Lehrerin mit ein und die ganze Welt sowieso. Jeder Übungsversuch endete mit dem Debakel eines zerrissenen Blättchens, dass quer durch den Raum gefetzt wurde. Spätestens dann kapitulierte meine Mutter und erlöste uns alle vom Klarinettenspiel der großen Schwester. Das Übern der Töne c-d-e-f-g-a durften wir komplett miterleben, als das h zum Erlernen nahte, wurde der Musikkurs für meine Schwester ersatzlos gestrichen. Ich vermute mal es hing mit den Protesten der Anwohner und dem gehäuften Auftreten randalierender Tiere mit feinem Gehör zusammen.
Ich selbst bezeichne mich durchaus als musikalisch. Ich kann drei Instrumente spielen. Flog noch nie aus einem der zahlreichen Chöre raus und kann auch in der Öffentlichkeit hemmungslos Lieder trällern, ohne mich am nächsten Tag – im nüchternen Zustand – dafür genieren zu müssen.
Ich gehe also davon aus, dass ich kleine Mozarts gezeugt habe.
Besser gesagt, ich ging davon aus.
Denn jetzt lernt P. Blockflöte. Das heißt P. befördert in die Flöte mehr Spucke als Luft hinein und heraus kommen Töne, die man durchaus als räudige Walgesänge bezeichnen kann. P. mault mindestens 20 Minuten rum, bevor er 2 Minuten übt. A. flüchtet mittlerweile, wenn P. die Flötentasche holt.
P. ist manchmal die Reinkarnation meiner Schwester.
Wenn wir das nächste mal nach Österreich fahren, schmuggle ich heimlich die Blockflöte in die Wohnung meiner Schwester. Ich besteche P. ausgiebig und versperre dann die Tür von außen, sodass er mindestens eine Stunde lang seine Tante mit Flötenspiel beglücken kann.
Späte Rache ist eine schöne Rache!
von Bettina
Was geschah auf Flug HG 8392 von Wien nach München, dass nach der Landung 24 (!) Männer die Toilette aufsuchten, aber keine einzige Frau?
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Vermutlich werden wir es nie erfahren.
Schade!
von Bettina
Manchmal kann das jugendliche Alter nicht darüber hinwegtäuschen, dass langsam aber doch ein Generationenwechsel stattfindet.
Der subtile Wechsel macht sich vielseitig bemerkbar. Einerseits sind da die Kinder, die man wohl getrost als die eindeutige, biologische Form eines Generationenwechsels bezeichnen kann. Aber auch im alltäglichen Leben ist es immer deutlicher spürbar.
Beim diesjährigen Familienskizirkus zum Beispiel fühlte ich mich fast schon wie Luis Trenker in “Zurück in die Zukunft V”.
Das letzte Mal stand ich vor rund 11 Jahren auf den Brettern, die den flotten Pistenabgang bedeuten.
Damals galt man als sportlich geadelt, wenn die Skier 20 cm länger als die eigene Körpergröße waren. Nur ein wirklich begnadeter Skifahrer, konnte diese Überlänge noch wedelnd die Piste runter bringen. Heute schleppen Hinz & Kunz kurze, gebogene Carverski an und rasen damit jede Piste runter, egal, ob sie es können oder nicht. Carverski bringen einfach jeden ins Tal – mal mit und mal ohne Beinbruch.
Und dann die Helmpflicht. In den 70er Jahren fuhr ich als einzige mit Helm herum. Zwangsweise Beglückung meiner Eltern, die mir beim Überstreifen des weißen Helmi-Helms lieblich zuraunten “Na du kleines, wahnsinniges Pistenschweinchen…”. Heute trägt jeder Helm – einschließlich unserer gesamten Familie. Erspart es doch das tägliche Haarewaschen, Hauben suchen & tragen, Ohrstöpsel gegen Wind verwenden und minimiert das Risiko sich bei jeder Gondelbenutzung den Kopf zu stoßen.
Kleidung allgemein hat sich sehr verändert. In meiner wilden Jugend fuhr man mit Jeans. Wenn man cool war. Und bescheuert. Die Jeans erstarrte spätestens nach dem zweiten Sturz und zurück blieb ein sehr kaltes, hartes Gefühl in der unteren Körperregion. Den Oberkörper schmückte man nicht mit wärmenden Jacken, sondern mit fünf Schichten lässiger, selbstgestrickter Pullis. Das hatte zur Folge, dass man wie ein Schaf im bunten Pulli aussah und selbst das dickste Bein, ob der überdimensionalen Pullischicht sehr schlang und grazil aussah. Heute fährt man mit Funktionssachen: Funktionsunterswäsche, Funktionsjacke, Funktionshose und Funktionssocken. Die funktionieren prima die Dinge. Allerdings bilden sich auf den Funktionsjacken keine so hübschen Schneebälle, wie auf den grobgestrickten Schafwollpullis.
Selbst das Liftfahren hat sich eklatant geändert. Wir saßen noch auf 1er oder höchstens 2er Sesselliften. Nutzen die paar Minuten für den neuesten Datenabgleich welcher männliche Pistenflitzer am besten zu verfolgen wäre. Und sangen unglaublich lustige Lieder wie “Voulez vous coucher avec moi?” in der steten Hoffnung, dass niemand außer uns auf der Piste französisch kann. Heute sitzt man mindestens in 6er Sesselliften, traut sich nichts mehr runtersingen, weil kaum noch Pisten unter den Liften sind, soviele Leute gleich rund um einen herum sind und der fremdsprachige Teil der Pistenflitzer doch stark zugenommen hat. Und es wird telefoniert. Das klassische “Schatz, bring noch eine Milch mit.” wird hier abgelöst von “Schatz, auf welcher Piste fährst du gerade?”.
Und trotzdem ist es immer wieder das großartigste Gefühl der Welt, wenn man oben steht und runterfahrt. Ob in Funktionsunterwäsche oder Schafwollpulli – egal: Zwoa Brettln, a gführiger Schnee – Juhe!