Noch Zweifel an Reinkarnation?

Für nichtösterreichische Leser:
links: O. Hardy vulgo J. Pröll
rechts: S. Laurel vulgo W. Faymann
Noch Zweifel an Reinkarnation?

Für nichtösterreichische Leser:
links: O. Hardy vulgo J. Pröll
rechts: S. Laurel vulgo W. Faymann
Ich muss zugeben, dass sich bezüglich Skifahren nicht nur das Material und die Skigebiete geändert haben – nein, an einem selbst ging die Spur der zeitlichen Veränderung natürlich auch nicht vorüber.
Genügte es mir früher vollkommen mit 15 Menschen einen Schlafraum zu teilen, das Gesicht morgendlich im kalten Schnee zu erfrischen und fünf Tage hintereinander die klammen, feuchten, drückenden Skischuhe anzuziehen, so ist mein Anspruch auf Luxus und Wohlbefinden heute doch um einiges anspruchsvoller geworden.
Gott sei Dank haben wir die ideale Herberge für unsere unterschiedlichsten Familienansprüche an einen Skiurlaub gefunden.
Die Almwelt Austria auf der Reiteralm.
Ein idyllisches Juwel in mitten der großartigen Bergwelt.

Allein schon der Blick auf den Dachstein ist eine Reise auf die Reiteralm wert. Der Blick ins Tal entfaltet allerdings nur dann seine volle Wirkung, wenn man inbrünstig dazu gröltsingt:
[...]
Und wann der Schnee staubt und wann die Sunn scheint
Dann hob’ i olles Glück in mir vereint
I steh’ am Gipfel schau obi ins Toi
A jeder is glicklich, a jeder fühlt si woi
[...]

Die Hütte selbst ließ keinen Wunsch offen. Innen fühlten wir uns Dank Kachelofen, Sauna, Whirlpool und gemütlicher Betten so wohl, dass wir erst nach Androhung einer saftigen Strafe die Hütte nach einer Woche räumten. Und außen wurde extra Schnee rundherum so hoch aufgeschüttet, damit die städtisch aufwachsenden Kinder endlich mal ein naturliches Highlight erleben. Oder war es doch der starke Schneefall von oben?

Seis drum – wir konnten auf jeden Fall den geplanten Iglu bauen. Oder besser gesagt, wir hatten es wirklich vor. Weiter als bis zu den mannskinderhohen Wänden kamen wir allerdings nicht. Die Kinder waren trotzdem beeindruckt und wir ob des folgenden Muskelkaters auch.
Alles in allem ein sensationell schöner Urlaub. Die Unterkunft war wunderbar. Die Pisten waren großartig. Das Essen österreichisch-großartig-gut. Und die Kinderskikurse waren so lehrreich, dass sogar A. mittelschwere Pisten runterkommt, alleine mit dem Tellerlift fahren kann und sich dabei trotzdem – Dank passendem Pausenprogramm – nicht überanstrengen musste.

Danke für die schöne Zeit in Schladming!
Heute wollen wir uns mal meinem musikalischen Kindheitstraumata widmen:
Als ich zarte sieben Jahre alt war und meine Schwester 10 reife Lenze zählte, setzte sie den Wunsch durch, Klarinette lernen zu dürfen. Bis heute vermute ich, es war eine rein pädagogische Maßnahme meiner Eltern gegenüber uns kleinen Geschwistern. Quasi eine pauschale Rundumbestrafung für die vorangegangenen Jahre.
Je näher die wöchentliche Klarinettenstunde rückte, desto vehementer wurden das Drängen meiner Mutter, sie solle nun endlich üben. Wenn meine Schwester dann nachgab, beglückte uns letztendlich ein maulendes, schimpfendes Kind mit Klarinette im Mund. Sie blies hinein. Es krächzte und quietschte. Sie fluchte noch lauter und noch mehr. Sie bezog in das Fluchen die Lehrerin mit ein und die ganze Welt sowieso. Jeder Übungsversuch endete mit dem Debakel eines zerrissenen Blättchens, dass quer durch den Raum gefetzt wurde. Spätestens dann kapitulierte meine Mutter und erlöste uns alle vom Klarinettenspiel der großen Schwester. Das Übern der Töne c-d-e-f-g-a durften wir komplett miterleben, als das h zum Erlernen nahte, wurde der Musikkurs für meine Schwester ersatzlos gestrichen. Ich vermute mal es hing mit den Protesten der Anwohner und dem gehäuften Auftreten randalierender Tiere mit feinem Gehör zusammen.
Ich selbst bezeichne mich durchaus als musikalisch. Ich kann drei Instrumente spielen. Flog noch nie aus einem der zahlreichen Chöre raus und kann auch in der Öffentlichkeit hemmungslos Lieder trällern, ohne mich am nächsten Tag – im nüchternen Zustand – dafür genieren zu müssen.
Ich gehe also davon aus, dass ich kleine Mozarts gezeugt habe.
Besser gesagt, ich ging davon aus.
Denn jetzt lernt P. Blockflöte. Das heißt P. befördert in die Flöte mehr Spucke als Luft hinein und heraus kommen Töne, die man durchaus als räudige Walgesänge bezeichnen kann. P. mault mindestens 20 Minuten rum, bevor er 2 Minuten übt. A. flüchtet mittlerweile, wenn P. die Flötentasche holt.
P. ist manchmal die Reinkarnation meiner Schwester.
Wenn wir das nächste mal nach Österreich fahren, schmuggle ich heimlich die Blockflöte in die Wohnung meiner Schwester. Ich besteche P. ausgiebig und versperre dann die Tür von außen, sodass er mindestens eine Stunde lang seine Tante mit Flötenspiel beglücken kann.
Späte Rache ist eine schöne Rache!
Bettina S., 36 Jahre, verheiratet mit einem Bayern, 2 Söhne (P. 7 und A. 5 Jahre), wohnhaft im Süden Deutschlands UND Österreicherin - mit Leib, Seele und was sonst noch dazu gehört!
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